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Klimaschonend aus der Krise?

Vorrang für Klimaschutz: Alpine Klimaziele und «Green Deal» weisen den Weg für die Zeit nach Corona.

Regierungen haben alpen- und weltweit noch alle Hände voll zu tun mit der Corona-Pandemie und deren Folgen. Erste politische Initiativen für einen klimafreundlichen Wiederaufbau der Wirtschaft formieren sich.

«Kaum noch Verkehr durch Tirol», «Flughafen Zürich im Corona-Koma» oder «Das Home wird zum Office». Derzeit dominieren Themen abseits der Klimakrise die Schlagzeilen. Die Corona-Pandemie verursachte das plötzliche Herunterfahren von Mobilität, Produktion und Konsum. Die Massnahmen zur Eindämmung der Ansteckungsrate senken unter anderem den Ausstoss von Kohlendioxidund gesundheitsschädlichen Stickoxiden im Verkehr. Spätestens wenn Medikamente und Impfstoffe gegen das Virus entwickelt sind, fährt auch die Wirtschaft wieder hoch – und mit ihr der CO2-Ausstoss. Ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen zählen zur Corona-Risikogruppe. Das ist auch jene Gruppe in der Gesellschaft, die der Klimawandel in den Alpen gesundheitlich am stärksten gefährdet, beispielsweise in Form von Hitzewellen. Kaspar Schuler, Co-Geschäftsleiter von CIPRA International, betont: «Allein für die Gesundheit und die Rettung tausender Menschenleben müssen wir den Wiederaufbau der Wirtschaft in den Alpenländern auf nachhaltige und umweltfreundliche Weise hinbekommen.» 

Bestätigung für alpenweite Klimaziele

Bereits Anfang März 2020 hatte die EU-Kommission mit dem «Green Deal» einen ersten Vorschlag für ein europäisches Klimagesetz vorgelegt. Er sieht vor, dass Europa bis 2050 klimaneutral wirtschaften soll. Mitte April forderten nun die Umweltministerien von 13 westeuropäischen EU-Staaten in einem gemeinsamen Aufruf, den «Green Deal» europaweit in den Mittelpunkt der Aufbaustrategien nach der Coronavirus-Krise zu stellen. In einem unmissverständlichen Gastkommentar dieser Umweltministerien für das Newsportal climatechangenews.com heisst es, man solle «den Versuchungen kurzfristiger Lösungen als Antwort auf die gegenwärtige Krise widerstehen», da diese die Gefahr bergen würden, «dass die EU für Jahrzehnte in einer Wirtschaft auf Basis fossiler Brennstoffe gefangen bleibt». Der «Green Deal» biete einen Fahrplan, um die richtigen Entscheidungen bei der Reaktion auf diese Wirtschaftskrise zu treffen und gleichzeitig Europa in eine nachhaltige und klimaneutrale Wirtschaft umzuwandeln. «Wir müssen die Investitionen aufstocken, insbesondere in den Bereichen nachhaltige Mobilität, erneuerbare Energien, Gebäudesanierung, Forschung und Innovation, Wiederherstellung der Artenvielfalt und Kreislaufwirtschaft.» Die EU-Alpenstaaten Österreich, Italien, Frankreich und Deutschland unterstützen den Aufruf. Der «Green Deal» der EU bestätigt indirekt auch den Vorschlag eines «Alpinen Klimazielsystems 2050», das die 15. Alpenkonferenz der acht Alpenstaaten im April 2019 in Innsbruck/A zur Umsetzung empfohlen hat. Ähnliche Signale sendet die 2017 beschlossene «Charta von Budoia» des Gemeindenetzwerks «Allianz in den Alpen». Sie widmet sich vor allem der Anpassung an den Klimawandel auf lokaler Ebene.

Klimaneutral bis 2050

Slowenien fehlt beim Vorstoss der Umweltminister. Immerhin hat es sich mit Jahresbeginn als letztes Land der EU dazu bereit erklärt, bis 2050 klimaneutral zu werden. Die Regierung verabschiedete ein nationales Klima- und Energieprogramm, allerdings ohne Frist für die Stilllegung des grössten slowenischen Kohlekraftwerks in Šoštanj. Das Nicht-EU-Mitglied Schweiz hat Anfang April der Bundesrat das Anliegen der Gletscher-Initiative anerkannt, welche die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf Netto Null senken will. Die Schweiz habe als verletzliches Alpenland ein ureigenes Interesse daran, den Klimawandel zu begrenzen, heisst es vonseiten des Bundesrats. Im Gegensatz zu diesem Volksbegehren möchte er allerdings kein explizites Verbot fossiler Energieträger in der Verfassung verankern.

 

Quellen und weiterführende Informationen:

www.euractiv.de/section/energie-und-umwelt/news/umweltministerien-und-eu-parlamentsinitiative-fordern-gruenen-wiederaufbau/, https://orf.at/stories/3161871/, www.zeit.de/politik/ausland/2020-03/eu-klimaschutzgesetz-green-deal-klimaneutralitaet-eu-kommission, www.schweizerbauer.ch/politik--wirtschaft/agrarpolitik/gletscherinitiative-gegenentwurf-56643.html, https://alpenallianz.org/de/aktuell/charta-von-budoia-anpassung-an-den-klimawandel, www.reuters.com/article/us-climate-change-slovenia/slovenia-latest-nation-to-seek-carbon-neutrality-by-2050-idUSKBN1ZD1X8 (en), www.minambiente.it/comunicati/pianura-padana-riduzione-fino-al-50-inquinanti-atmosfera-misure-introdotte-fronteggiare (it) www.swr.de/wissen/corona-positive-folgen-fuer-die-umwelt-100.html