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Ein Baum hat sieben Leben

(c) Jenni Kuck

Katzen haben sieben Leben, Bäume auch: Der beispielhafte Lebenszyklus einer Weisstanne im österreichischen Bregenzerwald zeigt, wie Kreislaufwirtschaft mit Holz funktioniert.

1. Vom Samen zur Klimaschützerin

Im Boden des Bregenzerwaldes treibt der daumennagelgrosse Samen einer Weisstanne (Abies Alba) aus. Sie wächst heran, ihre Wurzeln graben sich in die Erde – bis zu drei Meter tief. So stabilisiert sie die steilen Berghänge der Alpen. Als grösste Baumart Europas ragt sie bis zu 60 Meter in die Höhe. Sie speichert riesige Mengen CO₂ und schützt das Klima. Ausserdem bietet sie Platz und Nahrung für Vögel, Pilze, Insekten und andere Lebewesen.

2. Vom Stamm zum Balken

Nach 110 Jahren fällen Forstarbeiter die Weisstanne. Die meisten ihrer Nachbarinnen dürfen weiterwachsen, denn nachhaltige Waldwirtschaft setzt auf sanfte Eingriffe und erhält das Ökosystem des Waldes. Arbeiter und Maschinen zerkleinern die Weisstanne im nahe gelegenen Sägewerk. Die Gattersäge, mit Wasserkraft betrieben, fertigt aus dem runden Stamm Balken für Bauholz, Vertäfelungen, Böden oder Massivholzmöbel.  

3. Von der Idee zur Zeichnung

Eine Tischlerin schaut sich das 3D-Modell eines Massivholztischs am Computerbildschirm an. Langlebig, reparaturfähig, modular soll der Tisch sein, entsprechend den Prinzipien des Ökodesigns. Das Möbelstück konzipiert die Tischlerin so, dass es keine chemischen Leime oder Metallschrauben enthält, was die Umweltbelastung minimiert. So ist dem Tisch ein langes Leben sicher. Auch als nachhaltiger Baustoff oder umweltfreundliches Verpackungsmaterial kommt Holz zum Einsatz.

4. Vom Entwurf zum Möbelstück

In der Werkstatt sägt, hobelt und schleift die Tischlerin das helle Holz der Weisstanne und bereitet die einzelnen modularen und austauschbaren Steckverbindungen für den Tisch vor. Diese fügt sie anschliessend wie ein Puzzle zusammen. Genauso einfach lassen sich Tischplatte und Beine wieder voneinander trennen, so können einzelne Teile später ausgetauscht werden. Auch ein Wohnungsumzug gestaltet sich einfacher.

5. Aus der Werkstatt zur Familie

Eine Familie kauft den Tisch aus Weisstannenholz. Doch vorher – darauf hat sie sich mit der Tischlerin geeinigt – wird er als Beispiel für Kreislaufmöbel im Werkraum Bregenzerwald ausgestellt. Vereine wie dieser bündeln regionale handwerkliche Expertise und bieten lokalen ProduzentInnen eine Plattform. Nach Ende der Ausstellung liefert die Tischlerin das Möbelstück persönlich an. Insgesamt hat die Weisstanne nur zehn Kilometer Transportweg zurückgelegt – gut für das Klima.

6. Vom Besitzen zum Nutzen

Etwas in die Jahre gekommen und zerkratzt, bekommt die Tischplatte nach einigen Jahren einen neuen Schliff. Holzprodukte lassen sich problemlos reparieren. Einstellung und Verhalten der BesitzerInnen spielen dabei eine Rolle: Wie oft benötige ich neue Produkte? Gebe ich Gebrauchtes weiter oder werfe ich es weg? Tausch- und Leihbörsen, Repair-Cafés und Gemeinschafts-Tischlereien vertreten die Philosophie «nutzen statt besitzen». Interessierte teilen dort Werkzeuge, Werkstätten, Wissen und Erfahrungen.

7. Vom Recycling zur nächsten Baumgeneration

Um den Tisch aus Weisstannenholz sind schon viele Familien gesessen, er hat seinen Dienst getan. Was von ihm übrig ist, wird nun gehäckselt und zusammen mit Kronenholz, übrig gebliebenem Verschnitt aus Sägewerk und Tischlerei zu einer Spanplatte verpresst. Überschüssige Sägespäne werden zu Toilettenpapier. Die Papierfabrik verbrennt das Restholz und gewinnt damit Energie. Ein kleiner Teil landet auf dem Kompost der nächsten Baumschule. Dort wachsen wiederum junge Weisstannen-Setzlinge heran.

 

Quelle und weitere Informationen: www.cipra.org/szenealpen