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Die Entstehung der "nationalen Komitees"

Vom Zentralismus zum Föderalismus

Das Team der Delegierten der verschiedenen nationalen CIPRA-Vertretungen bei der Jahresfachtagung in Chambéry/F 2001. © J. Biedermann

Solange die CIPRA sich darauf beschränkte, einmal jährlich eine Fachtagung abzuhalten, brauchte sie keine föderalistischen Strukturen. Sämtliche Aktivitäten gingen vom Präsidenten aus, der sich auf die – ebenfalls ehrenamtliche – Mitarbeit eines Sekretärs stützen konnte.

Dieses auf Ehrenamtlichkeit basierende System war aber anfällig. Sein Funktionieren hing fast vollständig von der Initiative und der zeitlichen Verfügbarkeit des Präsidenten ab. Konnte oder wollte dieser nur sehr wenig Zeit für die CIPRA investieren, so schliefen auch die CIPRA-Aktivitäten ein. Folglich wurde verschiedene Male die Frage laut: "Reaktivieren oder sterben lassen?".

In einer dieser Krisen, der wohl schwersten, stellte die CIPRA im Jahr 1974 die Weichen völlig neu: In jedem Land sollte eine CIPRA-Vertretung aufgebaut werden. Die CIPRA sollte föderalistische Strukturen erhalten.

Österreich war das erste Land, das ein "nationales Komitee" gründete, und zwar am 4. April 1975. Im gleichen Jahr wurde intensiv über die Verkehrsprobleme im Alpenraum beraten, die Planung der "Alemagna"-Autobahn von Italien in Richtung österreichische Grenze wurde schon damals als Gefahr erkannt, der Kampf gegen diese Autobahn sollte zum – erfolgreichen – Dauerbrenner von CIPRA Österreich werden. Die erste nationale CIPRA-Vertretung wurde später zu einem Arbeitskreis des österreichischen Umweltdachverbandes umfunktioniert. Ihr gehören heute noch neun NGOs und die neun österreichischen Bundesländer an.

Auch in den anderen Alpenländern bildeten sich zwischen 1975 und 1992 "nationale Komitees". Neben CIPRA Österreich gehören aber nur noch CIPRA Slowenien auch staatliche Stellen an. Die restlichen Komitees sind wie CIPRA International reine Nichtregierungsorganisationen.

Die Entwicklung war bei den meisten CIPRA-Vertretungen ähnlich. Sie funktionierten wie CIPRA International zunächst auf Basis der Ehrenamtlichkeit. Oft waren sie bei einer Organisation angesiedelt, wie CIPRA Schweiz bei pro natura (damals Schweiz. Bund für Naturschutz), CIPRA Österreich beim Umweltdachverband, CIPRA Liechtenstein bei der Liechtensteinischen Gesellschaft für Umweltschutz etc. Für manche CIPRA-Vertretungen ergab sich erst mit der Anstellung von GeschäftsführerInnen die Notwendigkeit, sich eine Rechtspersönlichkeit mit Statuten und Vorstand zu geben.

Die Intensität der Aktivitäten war in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich. CIPRA Österreich arbeitete von Anfang an mit Arbeitskreisen zu verschiedenen Themen, wodurch eine grosse Kontinuität in der Arbeit gewährleistet war. CIPRA Deutschland hat bei der Erarbeitung der Alpenkonvention eine herausragende Rolle gespielt. Bei allen CIPRA Vertretungen ist in den 90er Jahren eine Professionalisierung zu beobachten. In jedem Alpenland gibt es heute ein funktionierendes Sekretariat mit teil- oder vollzeitlich angestelltem Personal. Dies hat dazu geführt, dass die CIPRA heute einen sehr gut funktionierenden föderalistischen Aufbau hat und von der Basis in allen Alpenländern mitgetragen wird.