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Standpunkt: Landschaft ist leider ausverkauft!

Uwe Roth, Geschäftsführer von CIPRA Deutschland (c) privat

16 zubetonierte Fussballfelder täglich: Der Flächenverbrauch ist in Bayern wie auch in vielen Alpenländern enorm. Damit noch etwas übrig bleibt für die nächsten Generationen, darf sich der Landschaftsschutz nicht nur auf Schutzgebiete konzentrieren, fordert Uwe Roth, Geschäftsführer von CIPRA Deutschland.

Pro Tag werden in Bayern etwa elf Hektar Boden für Siedlungs- und Verkehrszwecke in Anspruch genommen. Das sind etwa 3‘940 Hektar im Jahr, die in der Regel unwiederbringlich dem Freiraum entzogen werden. Ob man sich unter dieser Grössenordnung nun etwas vorstellen kann oder nicht, jedem ist inzwischen klar, dass es unendliches Wachstum in einem endlichen System nicht geben kann. Wann ist also Schluss? Wenn das letzte betonierbare Eck zugepflastert ist und Europa eine einzige grosse Stadt ist? Das mag übertrieben scheinen, aber wir sollten uns vor Augen führen, mit welchem Prozess wir es hier zu tun haben.

Angesichts dieses massiven Flächenverbrauchs kann sich alpiner Landschaftsschutz nicht mehr nur auf Schutzgebiete in den Hochlagen konzentrieren. Vor allem in den Talräumen mit ihren begrenzt nutzbaren Flächen muss der schleichende Erschliessungsprozess schnell gebremst und schliesslich irgendwann beendet werden. Die CIPRA hat sich in den letzten zwei Jahren im Rahmen ihres Schwerpunktthemas intensiv mit dem Thema Landschaft auseinandergesetzt. Sie fordert unter anderem genau dies. Denn: Wenn nur die profitabelste Bodennutzung zählt, bleibt letztlich irgendwann keine mehr Landschaft übrig.

Vor dem Hintergrund des rasanten Flächenverbrauchs und dessen negativen Folgen auf beispielsweise Wasserhaushalt, Biodiversität, Klima, Luftqualität oder Lebensqualität gibt es inzwischen kaum mehr Fachexperten, die nicht alle Alarmglocken läuten. Die EU hat es sich in ihrer Ressourcenstrategie zum Ziel gemacht, die Inanspruchnahme neuer Flächen bis 2050 sogar komplett zu stoppen.

Die Raumordnung hat wohl das grösste Potential, in diesen Prozess einzugreifen. Dazu muss sie allerdings mit geregelten Zuständigkeiten, ausreichend Personal, Wissen, Finanzmitteln und unbedingter politischer Rückendeckung ausgestattet sein. Leider fehlt dies im Alpenraum und die Liste positiver Beispiele geht nicht über vereinzelte Ansätze hinaus (z. B. Siedlungsschwerpunkte, Vorhaltekonzepte landwirtschaftlicher Flächen, Flächenrückzonungen).

Genau wie beim Klimaschutz und beim Artenschutz müssen wir im Landschaftsschutz selbst aktiv werden und die Politik zu entschlossenem Handeln drängen. Mit «Wir» sind zum einen zivilgesellschaftliche Organisationen wie die CIPRA gemeint, zum anderen aber auch alle mündigen Bürgerinnen und Bürger, denen es nicht gleichgültig ist, was mit unserer Landschaft passiert. Kommende Generationen sollen nämlich nicht vor betonierte Tatsachen gestellt werden, sondern selbst entscheiden dürfen, wie sie mit Landschaft umgehen wollen. Im schlimmsten Fall heißt es sonst in ein paar Jahrzehnten: Landschaft ist leider ausverkauft!