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Coronakrise im Alpentourismus

Ausgestorbene Skigebiete: Das Corona-Virus sorgte vorzeitig für leere Skipisten wie hier am Arlberg/A. (c) CIPRA International, Michael Gams

Leere Skipisten, verlassene Hotels, einsame Berggipfel: Ein Virus hat auch den für viele Alpenregionen so wichtigen Tourismus lahmgelegt. Was nun?

Es war eine Vollbremsung: Am 9. März beendete die weltweit grösste Skiregion «Dolomiti Superski» die Saison vorzeitig aufgrund einer staatlichen Anordnung – so wie alle anderen Skigebiete Italiens. Die italienische Regierung versuchte so, eine weitere Verbreitung des Corona-Virus einzubremsen. Kurz danach erlangte der österreichische Skiort Ischgl traurige Berühmtheit, denn Gäste aus ganz Europa infizierten sich dort beim Après Ski mit dem Virus. Erst am 15. März wurde dort der Skibetrieb ein- und der Ort unter Quarantäne gestellt, wie später auch die Skiorte St. Anton am Arlberg und Sölden im Ötztal, schliesslich folgte das gesamte Bundesland Tirol/A. Gäste reisten panikartig ab, manche mit dem Virus im Gepäck. Das beschleunigte die Ausbreitung der Krankheit in Ländern wie Deutschland, Schweden, Norwegen und sogar Island.

Appelle und Absagen

«Ich bleibe Zuhause» oder «Die Berge warten, wir auch»: Appelle wie diese richteten Alpinvereine an ihre Mitglieder. Ab März sperrten nach und nach alle Berghütten im Alpenraum zu, Veranstaltungen wie Skitourentage oder Alpinkurse wurden abgesagt. «Bitte gehen Sie in der momentanen Situation nicht in die Berge!», sagt beispielsweise DAV-Präsident Josef Klenner. Bergsport berge ein gewisses Verletzungsrisiko, das unnötig Ressourcen und Kapazitäten von Rettern und medizinischem Personal beanspruche, so das Argument der Alpinen Vereine. Selbst grosse Wintersportevents wie das Skiweltcupfinale im italienischen Cortina d`Ampezzo oder die Skisprungbewerbe im slowenischen Planica wurden abgesagt.

Ferien im eigenen Land

Arbeitslosigkeit und Pleiten: Die Coronakrise wird im Tourismus noch lange nachwirken, soviel ist sicher. Christian Baumgartner, Tourismusforscher und Vizepräsident von CIPRA International geht davon aus, dass bei den Menschen auch nach der Eindämmung der Pandemie noch länger eine Unsicherheit bleiben wird und viele von ihnen eher im eigenen Land Ferien machen werden. Man habe auch in der Wirtschaftskrise vor einem Jahrzehnt gesehen, dass Regionen mit sanftem Tourismus deutlich resilienter und somit krisenfester sind als touristische Hotspots, so Baumgartner. «Das hilft den Menschen in den jetzt betroffenen Gebieten wenig. Aber die Politik könnte finanzielle Unterstützung mit der Forderung verknüpfen, dass nach der Krise anders gewirtschaftet wird.» Das Ziel müsse sein, die Förderpolitik auf vernetzte, langfristige und zukunftsfähige Massnahmen zugunsten eines nachhaltigen Winter- oder Ganzjahrestourismus auszurichten und die Wertschöpfung in der Region zu behalten. «Voraussetzung muss in jedem Fall das Vorhandensein von regionalen, ganzheitlichen Strategien sein, die auch den Energieverbrauch, die touristische Mobilität und weitere relevante Bereiche wie die Landwirtschaft oder Biodiversität berücksichtigen.»

 

Quellen und weiterführende Informationen:

www.repubblica.it/cronaca/2020/03/10/news/coronavirus_il_virus_chiude_anche_lo_sci_stop_alle_piste_su_tutte_le_alpi-250821959/?refresh_ce (it), www.welt.de/wirtschaft/article206879663/Corona-Pandemie-So-hat-Ischgl-das-Virus-in-die-Welt-getragen.html, www.faz.net/aktuell/politik/ausland/tirol-will-aufklaerung-in-corona-krise-der-filz-von-ischgl-16694930.html, www.falter.at/zeitung/20200324/tirol-traum-und-alp,  www.derstandard.at/story/2000115989961/apres-ski-mit-boesem-erwachen-in-den-tiroler-bergen, www.cai.it/io-resto-a-casa-le-montagne-non-si-muovono/ (it), www.alpenverein.at/portal/news/aktuelle_news/2020/2020_03_13_coronavirus-alpenverein.php, www.naturfreunde.at/berichte/presseinformationen/presseinformationen/solidarischer-outdoor-verzicht/, www.alpenverein.de/in-der-corona-krise-keine-bergtouren-aber-in-bewegung-bleiben_aid_34793.html, www.sac-cas.ch/de/der-sac/sac-huetten-bleiben-geschlossen-23205/, https://orf.at/stories/3161124/


Alpentourismus in der Coronakrise: Unser Podcast-Gespräch mit den Tourismus-ExpertInnen Christian Baumgartner und Stefanie Pfahl (in deutscher Sprache)