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Tourismus nach dem Skilift

Skitour statt Pistenrummel am Dobratsch/A: Wo früher Skipisten waren, befindet sich heute ein Naturpark. © Michael Gams, CIPRA International

Immer mildere Winter zwingen Skigebiete zum Investieren in teure Beschneiungs- und Liftanlagen – ein Wettrüsten, bei dem viele nicht mehr mitkönnen. Einige Orte in den Alpen haben bereits Alternativen zum Skisport gefunden.

In Italien wurden einem aktuellen Bericht der Umweltorganisation Legambiente zufolge bereits 132 Skilifte stillgelegt, 113 sind vorübergehend geschlossen. Der slowenische Seilbahnverband verlor innerhalb eines Jahrzehnts die Hälfte seiner Mitglieder, nach zwei milden Wintern in Folge stehen dort viele Skigebiete vor dem Aus. Wie es weitergehen könnte, zeigt der Dobratsch, ein 2´166 Meter hoher Berg vor den Toren der Alpenstadt Villach/A. Dort wurden die Skilifte vor mehr als 15 Jahren abgebaut und ein Naturpark eingerichtet. Skitourengruppen steigen entlang der alten Piste auf, NaturparkrangerInnen bieten geführte Winterwanderungen, Familien treffen sich zum Rodeln im Schnee, Langläufer ziehen ihre Runden. Auch in Gaissau-Hintersee nahe Salzburg/A stehen die Skilifte seit zwei Jahren still, weil die versprochene Geldspritze eines chinesischen Investors nie kam. Hier soll nun ein Skitourenparadies mit beschilderten Routen und geöffneten Skihütten entstehen – ähnlich dem Sattelberg in Tirol/A, wo die letzten Skilifte 2006 abgebaut wurden. 

Mehr als nur Wintersport

2012 beschloss die französische Alpengemeinde Le Biot, ihre Skilifte am Col du Corbier abzubauen. Das Gebiet hat sich seitdem zur Ganzjahres-Outdoordestination entwickelt und bietet neben Skitouren, Schlittenfahren und Langlaufen auch Trailrunning, Nordic Walking und Mountainbiken an. Unterstützung im Marketing und Materialverleih kommt von einem Sportartikelhersteller, der sich abseits des Skisports etablieren will. Auch in der Schweiz musste das Skigebiet am Stockhorn vor 14 Jahren schliessen. Hauptgrund war der Klimawandel, eine dringend nötige Sanierung zu teuer, der Betrieb defizitär. Die Gondelbahn fährt nun wieder und schreibt schwarze Zahlen, denn das Stockhorn wirbt neuerdings als barrierefreier Ausflugsberg mit rollstuhltauglichen Wanderwegen um Gäste. «Vorreiter wie diese haben die Zeichen der Zeit erkannt», stellt Christian Baumgartner fest. Er ist Dozent für Tourismus und Freizeit an der FH Graubünden und Vizepräsident von CIPRA International. «Sie werden in Zukunft auch wirtschaftlich die Nase vorne haben, weil sie mit einem klaren Profil am Markt agieren.» Andere werden nachziehen müssen, so Baumgartner. Ein Trend, dem aktuell auch das Riedberger Horn in Deutschland folgt: Anstatt einer weiteren Skischaukel entsteht dort nun ein Zentrum für nachhaltigen Tourismus.

 

Quellen und weitere Informationen:

www.legambiente.it/nevediversa/ (it), www.theguardian.com/environment/2019/dec/09/seduced-abandoned-tourism-and-climate-change-the-alps (en), www.liberation.fr/voyages/2019/11/15/les-stations-de-ski-font-le-pari-du-grand-saut_1763635 (fr), www.tt.com/artikel/30714159/alpenverein-fordert-umdenken-starke-stimme-gegen-groessere-skigebiete, https://weserreport.de/2019/02/events/reise/schneewandern-am-sanften-dobratsch/, https://salzburg.orf.at/stories/3015397/, www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Erlebniszentrum-am-Riedberger-Horn-Jetzt-geht-es-los-id56670351.html, www.sonntagsblatt.de/artikel/bayern/wie-der-klimawandel-den-druck-auf-die-skigebiete-im-bayerischen-wald-erhoeht, www.tirol.at/lovetirol/sattelbergalm, www.naturparkdobratsch.at