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Standpunkt: Den Tatendrang der Jugend würdigen

Sofia Farina, Mitglied des CIPRA Jugendbeirates.

In den vergangenen zwei Jahren haben wir eine Entwicklung erlebt, die wir als grüne Kulturrevolution bezeichnen können. Egal, wie wir dazu stehen – ob wir sie unterstützen oder missbilligen –, wir können sie nicht ignorieren. Wir jungen Menschen haben das möglich gemacht und wollen jetzt einbezogen werden bei Entscheidungen, fordert Sofia Farina vom CIPRA-Jugendbeirat.

Wir gehen heute nicht ohne unsere Trinkflasche aus dem Haus, wir gehen nicht ohne Stofftasche zum Einkaufen, wir verschenken Patenschaften für Bananenbäume in Ecuador, wir legen einen fleischlosen Montag oder einen veganen Januar ein. Und selbst wenn wir uns aus all dem heraushalten, wenn wir unsere Gewohnheiten nicht ändern und nicht mit Plakaten und Blumen auf die Strasse gehen, so kommen wir nicht umhin, darüber in der Zeitung zu lesen, die neuen Gewohnheiten in den Strassen und in den Schaufenstern der Geschäfte zu beobachten, darüber zu reden, zu diskutieren, die Ereignisse zu kommentieren. Es ist an der Zeit, denen Glauben zu schenken, die diesen Paradigmenwechsel möglich gemacht haben: die Jugendlichen, die die Rettung des Planeten zu ihrer Priorität erklärt haben und dies mit ihren jungen, aber lauten Stimmen der ganzen Welt mitteilen. Sie müssen in den Entscheidungsprozessen vertreten sein, damit sie ihr Verantwortungsbewusstsein und ihren Tatendrang einbringen können.

Das Wort «grün», das ich nicht gern verwende, weil es so überstrapaziert wird, spielte noch vor wenigen Jahren keine grosse Rolle in unserem Alltag. Und das, obwohl schon 1896 ein Zusammenhang zwischen dem Einsatz fossiler Brennstoffe und der Erderwärmung hergestellt wurde. Der Schwede Svante August Arrehnius und der US-Amerikaner Thomas Chrowder Chamberlin legten sogar Schätzungen des durchschnittlichen globalen Temperaturanstiegs vor. Über Jahrzehnte rückte das Thema in den Hintergrund. Nach 1988, als man in den Daten eine tatsächliche Erwärmung des Planeten zu beobachten begann, befassten sich immer mehr Studien damit. Ende der 1980er Jahre wurde der wissenschaftliche Weltklimarat IPCC ins Leben gerufen und in den darauffolgenden Jahren wurden Berichte und Studien veröffentlicht, die den fortschreitenden Klimawandel eindeutig belegten. Diese gingen jedoch im Desinteresse der breiten Öffentlichkeit unter und führten nur zu langsamen und unzureichenden Fortschritten in der internationalen Zusammenarbeit.

Mehr als ein Jahrhundert nach den ersten Erkenntnissen zu diesem Thema ist der Klimawandel in den letzten zwei Jahren mit Wucht in unser Leben getreten. Den Weg dafür haben die Jugendlichen geebnet, die das Naheliegendste und Natürlichste getan haben: Sie haben sich die Daten angeschaut, sie sind erschrocken und haben die Aufmerksamkeit der Erwachsenen gesucht. Sie haben die Energie aufgebracht, auf die Strassen und Plätze zu gehen und ein verantwortungsvolles Verhalten zu fordern. Diese jungen Menschen, ein Mädchen mit Zöpfen im gelben Regenmantel namens Greta und die zum Teil noch minderjährigen Aktivistinnen und Aktivisten, ergreifen bei UN-Konferenzen oder beim Weltwirtschaftsforum das Wort. Ihre Stimme hat unsere Wahrnehmung dieser Themen radikal verändert und sie zu einem Teil unseres Alltags gemacht. Jetzt wollen wir Taten sehen.

 

Weitere Informationen:
www.cipra.org/de/cipra/international/menschen-gremien/cipra-jugendbeirat