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Umstrittener Eisenbahntunnel zwischen Turin und Lyon

17.07.2023 / Michael Gams, CIPRA International
Mitte Juni 2023 protestierten hunderte Menschen im französischen Grenzort Saint-Jean-de-Maurienne gegen den Bau eines Hochgeschwindigkeits-Eisenbahntunnels zwischen Lyon und Turin. Auch CIPRA Frankreich und Mountain Wilderness kritisierten das Projekt in einer öffentlichen Stellungnahme.
Bild Legende:
Illustration der aktuellen Baustelle zum Bau des Basistunnels für Lyon-Turin © (c) ROSSI Thomas

In zwei statt in vier Stunden per Zug von Turin/I nach Lyon/F reisen: Das soll ab 2032 möglich sein. Derzeit laufen die Vorbereitungsarbeiten für den Bau eines 57 Kilometer langen Tunnels durch das Mont Cenis-Massiv.. Umweltverbände zeigen sich besorgt ob der ökologischen Auswirkungen. «Die Berge sind kein Schweizer Käse. Es bedarf einer Verkehrsreduzierung und einer alpenweiten Steuerung der Verkehrsströme», appellierten CIPRA Frankreich und Mountain Wilderness in einer gemeinsamen Stellungnahme Mitte Juni 2023 an die Projektverantwortlichen für den Hochgeschwindigkeitstunnel zwischen Frankreich und Italien.

Es gehe ihnen dabei nicht darum, «die Erschliessung der Berge pauschal abzulehnen, sondern den Nutzen von Grossprojekten zu hinterfragen und Umweltauswirkungen zu minimieren». Die Verlagerung des Verkehrs von der Strasse auf die Schiene sei ein wesentlicher Bestandteil der Mobilitätswende. Seit Jahren gebe es allerdings keine Antworten auf ungeklärte Fragen zur Sinnhaftigkeit der neuen Eisenbahnlinie Lyon-Turin. CIPRA Frankreich und Mountain Wilderness kritisieren vor allem zwei Punkte. Erstens den Bau neuer, gigantischer Projekte wie dem Basistunnel Lyon-Turin, anstatt bestehende Infrastrukturen zu erneuern. So stelle die Bahnlinie durch den alten Mont-Cenis-Tunnel bereits eine Verbindung Lyon-Turin her, die nicht ausgelastet ist und jetzt schon drei Viertel der Warentransporte umliegender Strassentransitrouten  übernehmen könnte. Der zweite Kritikpunkt sind die immer grösser dimensionierten Transportwege für wachsende Verkehrsströme ohne Rücksicht auf die Überlastung der Bewohner:innen und der Umwelt enger Alpentäler. «Wir müssen das Verkehrsvolumen reduzieren, nicht ausbauen, und die Transportkapazitäten auf den alpinen Transitrouten gemeinsam bewirtschaften, im Verbund von Schiene und Strasse. Alles andere ist eine unwirksame Verschiebung der Problematik vom einen Alpenkorridor zum nächsten betont Kaspar Schuler, Geschäftsführer von CIPRA International.

 

Quellen und weiterführende Informationen:

www.cipra.org/fr/communiques/la-problematique-de-la-ligne-ferroviaire-lyon-turin (fr), www.france24.com/fr/info-en-continu/20230616-manifestation-contre-le-chantier-du-lyon-turin-le-recours-contre-l-interdiction-rejet%C3%A9 (fr),  www.derstandard.at/story/2000143953156/unter-den-alpen-tunnel-soll-frankreich-und-italien-verbinden (de), www.nd-aktuell.de/artikel/1174095.alpentunnel-bahnstrecke-lyon-turin-megaprojekt-aus-einer-vergangenen-aera.html (de)