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Die Alpen träumen und jodeln

«Waldbaden» in Tirol/A hilft Stress abzubauen. (c) TW Charly Schwarz

Wälder, Wiesen, Berge – wenn wir an die Alpen denken, haben wir Bilder im Kopf. Doch alpine Landschaft kann mehr als nur betrachtet werden.

Die Aborigines in Australien träumen Landschaften, nehmen sie über Geschichten und Lieder wahr. Die westlich-europäische Ge­sellschaft nimmt sie heute vor allem visuell wahr. Unser visueller Zugang mag seinen Ursprung in der Landschaftsmalerei des 18. Jahrhunderts haben, heute festigen ihn naturwissenschaftliches Denken und Digitalisierung. Es ist eine Eigenart unserer Gesell­schaft, alles dokumentieren, vergleichen, messen und bewerten zu wollen. Das geht mit einem Foto oder einer Karte einfacher als mit Geräuschen, Gerüchen oder Gefühlen.

Doch Landschaft ist kein objektiv erfassbarer Zustand, sondern ein soziales und kulturelles Konstrukt. Sie hat immer die Bedeutung, die wir ihr geben. Reduzieren wir unsere Wahrnehmung und die Bedeu­tung auf das, was wir sehen, reduzieren wir auch unsere Möglich­keiten, Landschaften zu verstehen und zu nutzen.

Natur mit allen Sinnen erfahren

Verstädterung, Landflucht und Klimawandel verändern die alpine Landschaft. Die urbanen Zentren wachsen, während der Rückgang der Berglandwirtschaft über Jahrhunderte entstandene Almen ver­buschen lässt. Ähnlich wie Traditionen und Bräuche rücken alpine Landschaften heute wieder ins Bewusstsein der Menschen, weil sie als bedroht und damit als schützenswert angesehen werden. Verstärkt wird unser zunehmendes Bewusstsein für ihren Wert durch die kulturell verankerte Vorstellung, dass da, wo Landschaft ist, auch Natur ist. Von virtuellen Landschaften in Filmen, Internet oder Werbung umgeben, gewinnt für uns die sinnliche Erfahrung von Natur wieder an Bedeutung. Immer mehr Menschen ist es ein Bedürfnis, Teil einer Landschaft zu sein, sich in ihr zu bewegen, sie zu sehen, zu hören, zu riechen, zu erwandern und sogar zu schmecken, etwa durch den Genuss regionaler Produkte oder beim «Waldbaden» in Tirol, Österreich.

Mit der Landschaftsvermittlung hat sich eine eigene Methodik herausgebildet, die zum Verstehen von Landschaft und unserer Beziehung zu ihr beitragen soll. Die visuelle Wahrnehmung spielt dabei häufig bewusst eine untergeordnete Rolle. Stattdessen liegt die Aufmerksamkeit auf Formen der Wahrnehmung, die in unserer Gesellschaft als vergessen oder verlernt angesehen werden. Men­schen werden dazu aufgefordert, aus einer Landschaft zu lesen wie aus einem Buch. Ein Spaziergang weckt neue Eindrücke und Gefühle, und auch Musik macht die Umgebung erfahrbar. Denn jo­delnd lässt es sich nicht nur in, sondern auch mit der Landschaft musizieren.

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