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Der Konzertmeister der Alpen

Henry Torgue bewegt sich leichtfüssig zwischen Bühne und Landschaft. (c) Inès Hubert

Der Franzose Henry Torgue legt die Klanglandschaften unseres Alltags frei, — zum Wohle unserer Ohren und unserer Umgebung.

«Stellen Sie sich vor: Ein dicht besiedeltes Tal erstreckt sich vor Ih­nen. Sie erfassen all seine Elemente mit einem Blick: Häuser, Stra­ssen, eine Fabrik... Plötzlich läutet in der Ferne eine Kirchenglocke. Erinnerungen kommen hoch. Sie fühlen sich wie auf dem Land und halten Ausschau nach dem Kirchturm…» Mit diesen Worten erklärt Henry Torgue mit sanfter Stimme, wie wichtig es ist, Landschaften zu hören. Seit vierzig Jahren widmet sich der Musiker und Forscher der Klanglandschaft.

Der 68-Jährige bewegt sich leichtfüssig zwischen Bühne und Land­schaft, ausgehend von der Gegend um Grenoble/F, wo er lebt. Eine Bühne, auf der er seine eigenen Kompositionen auf dem Klavier spielt. Eine Bühne, für die er eine Geräuschkulisse von Theateraufführun­gen und Tanzperformances mit Künstlern wie dem Choreographen Jean-Claude Gallotta aus Grenoble geschaffen hat. Eine Landschaft, deren Klangumgebung er freilegt, um ihre Qualität zu verbessern. Eine Landschaft, deren Töne er einfängt und den Zuhörerinnen und Zuhörern in verarbeiteter Form zurückgibt, wie dem «Concert de pay­sages», dem Landschaftskonzert, mit dem Verein «Laboratoire pour l’intervention artistique Paysage>Paysages». Schauplatz seines Tuns ist das Forschungszentrum für Klangraum und städtische Umge­bung, CRESSON, das er rund zehn Jahre lang leitete.

Klanglandschaften gehören heute zum kollektiven Bewusstsein. Zuvor wurde die Landschaft als etwas Stummes betrachtet; das Visuelle dominierte über die anderen Sinne. Wenn nun also Kir­chenglocken läuten, werden alle Sinne angesprochen. Der Klang bietet einen Schlüssel, um die vor uns liegende Landschaft zu er­fahren und zu interpretieren. Auch die Literatur als Zeitzeugin un­serer Gesellschaften beschränkt sich nicht auf die Beschreibung stummer Landschaften: Henry Torgue holt sich auch dort Inspira­tionen – am liebsten in Krimis.

Henry Torgue weiss, dass es Probleme geben kann, wenn ver­schiedene Lebensweisen aufeinandertreffen. Zum Beispiel, wenn ein neu zugezogener Stadtbewohner in seinem neuen Zuhause im Bergdorf um vier Uhr morgens von Traktorenlärm geweckt wird. Der Klangkünstler hört allen zu: den Bewohnerinnen und Bewoh­nern, dem Raum, der «wunderbaren Vertikalität der Alpenland­schaft», wie er sagt. Für ihn ist jeder Aussichtspunkt «ein schönes Auditorium», wo sich der Stadtlärm mit den Geräuschen der wilden Bergnatur vermischt. Sein Landschaftskonzert, das «im traditio­nellen Sinn nichts Musikalisches an sich hat», ist ein Spaziergang durch inszenierte Klanglandschaften des Départements Isère. Die Klänge sollten bei der Gestaltung öffentlicher Räume ebenso be­rücksichtigt und sogar in Szene gesetzt werden wie die visuellen Eindrücke, findet der Komponist. Nur so werden diese zu liebens-und lebenswerten Orten.

 

Quelle und weitere Informationen: www.cipra.org/szenealpen

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