CIPRA Vertretungen:

Benutzerspezifische Werkzeuge

  Suchfilter  

News

Nachhaltige olympische Winterspiele in Turin?

Bereits bei der Olympia-Kandidatur von Turin bemängelten die piemontesischen Vertreter der Umweltverbände das Bewerbungsdossier wegen fehlenden umweltrelevanten Fragestellungen.
Nach Meinung der TOROC (Torino Organising Committee XX Olympic Winter Games) hingegen soll die Olympiade ein Schaufenster darstellen um die Kultur des Gastgeberlandes und das Bewusstsein für Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu fördern. Neben dem für die Kandidatur erstellten Umweltaktionsplan "Green Card" wurden als Nachweis der Umweltverträglichkeit der Spiele EU-Instrumente wie EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) eingesetzt.
Offenbar haben die Umweltsünden vergangener Grossanlässe eine grundlegende Kontroverse und eine ansatzweise Neuorientierung in eine umwelt- und alpenverträglichere Richtung ausgelöst. Der WWF Italien gesteht mit einem am 8.Februar 2006 veröffentlichten Bericht der Olympiade eine befriedigende Beurteilung bezüglich der Umweltaspekte zu, wenn auch viele negative Aspekte beleuchtet und eine abschliessende Analyse bis nach Beendigung der Spiele verschoben wurden.
Die Frage, ob olympische Winterspiele wirklich als "grün" und nachhaltig bezeichnet werden dürfen, kann erst im Nachhinein beantwortet werden. Heute kann schon festgestellt werden, dass der wirtschaftliche Aspekt den Nachhaltigkeitsanspruch ins Wanken bringt. Alleine die Organisationskosten belaufen sich auf 1,3 Milliarden Euro. Zusammen mit den Aufwendungen für die Infrastruktur von 2,1 Milliarden Euro ergeben sich Gesamtkosten von 3,4 Milliarden Euro, welche grösstenteils von der öffentlichen Hand getragen werden. Bei der Kandidatur wurde die finanzielle Beteiligung der Öffentlichkeit allerdings nur auf etwa 500 Millionen Euro budgetiert. Während die finanzielle Belastung für die Metropole Turin eher tragbar scheint, werden Orte wie Pragelato oder Cesana nach den Spielen den Unterhalt der Skisprungschanze und Bobbahn schwer verkraften. Es ist zu erwarten, dass die Veranstalter diese Anlagen aufgeben, sobald die Spiele beendet sind. Ende 2005 hat der Bürgermeister von Albertville/F, Austragungsort der Spiele 1992, seine Kollegen aus dem Piemont erinnert, dass die Skisprungschanze von Courchevel/F ein Defizit von 200.000 Euro pro Jahr verursacht.
Quellen und Infos: www.agenziatorino2006.it (it/en), www.wwf.it (it/en)
abgelegt unter: ,