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Die Kandidaturen von München für 2018 und 2022

© Axel Döring/Gesellschaft für ökologische Forschung

Die Kandidatur Münchens für 2018 wurde im November 2007 zunächst ohne jede Bürgerbeteiligung und Diskussion, fast ohne Gegenstimmen, im Stadtrat Münchens, dem Gemeinderat Garmisch-Partenkirchens und dem Kreistag im Berchtesgadener Land beschlossen. Eine Bürgerbeteiligung war ausdrücklich nicht vorgesehen.

Bürgerentscheid durchgesetzt

Parallel dazu liefen in Garmisch-Partenkirchen die Vorbereitungen für die Ski-Weltmeisterschaft 2011. Nachdem der Ausbau der Pisten deutlich anders und grösser erfolgte als bei der Bewerbung versprochen, regten sich erste Bürgerproteste.
Im Jahr 2010 formierte sich, nach den schlechten Erfahrungen mit der Ski-Weltmeisterschaft, der Widerstand im Bündnis Nolympia. Obwohl die Bewerber alles taten, um eine Bürgerbeteiligung zu verhindern, konnte Nolympia in Garmisch-Partenkirchen einen Bürgerentscheid durchsetzen. Dieser Bürgerentscheid ging im Mai 2011, nach einer unglaublichen Materialschlacht der Bewerber, knapp verloren. Die Zeit für die Ablehnung dieses Riesenspektakels war offensichtlich noch nicht reif.

Botschaft ist angekommen

Der neue Anlauf für die Kandidatur Münchens für die Olympischen Winterspiele 2022 sollte bereits vor der Bewerbung ein Mandat durch den Bürger erhalten, um Widerstände auszuschalten. So jedenfalls sahen es die treibenden Kräfte vor.
Jetzt konnten die Olympia-Gegner auf ihr in der Kandidatur für 2018 erworbenes, Wissen aufbauen. Es zeigte sich, dass viele der Gegenargumente nun in den Köpfen der BürgerInnen verankert waren. Dies zeigte sich im Ergebnis der Abstimmung von November 2013:

  • München: 47,9 % Ja- gegenüber 52,1 % Nein-Stimmen (Wahlbeteiligung 28,8 %)
  • Garmisch-Partenkirchen: 48,44 % Ja- gegenüber 51,56 % Nein-Stimmen (Wahlbeteiligung 58,8 %)
  • Traunstein: 40,33 % Ja- gegenüber 59,67 % Nein-Stimmen (Wahlbeteiligung 39,98 %)
  • Berchtesgadener Land: 45,9 % Ja- gegenüber 54,1 % Nein-Stimmen (Wahlbeteiligung 38,25 %)

Die Olympiabewerber und ihre Arroganz

Fazit: Die Olympiabewerber haben die Qualität der Argumente des Gegenkomitees Nolympia unterschätzt. Sie glaubten, auf Prominenz und Emotionen setzen zu können. Gewaltige Materialschlachten hätten Argumente ersetzen sollen – bis hin zu Durchsagen in der Bahn, dass man beim Bürgerentscheid für die Olympiabewerbung stimmen sollte, oder dem Aufruf eines Pfarrers in Garmisch, das «Richtige» zu wählen.
Es spricht für die Qualität und Zähigkeit der Olympia-Gegner und die Vernunft der BürgerInnen, dass sich David gegen Goliath in diesem Kampf ziemlich souverän durchsetzte. Offenbar war die Zeit reif für eine Absage an umweltschädigende Mega-Events. Bezeichnend war die extrem unfaire Art mit der manche dieser Spitzensportler und Funktionäre die Niederlage hingenommen haben. Wie wären dieselben Leute bei einem Sieg mit den Ausrichte-Orten umgegangen?

Schlagkräftige Organisation Nolympia

Nolympia ist als lockeres Netzwerk organisiert. Es gibt keine Strukturen als Verein. Dadurch war es sehr einfach, Gruppen und Einzelpersonen schnell zu integrieren. Als wesentlich im Widerstand erwies sich die Webseite www.Nolympia.de. Hier waren (und sind) alle Informationen abrufbar. In Nolympia hat sich auch die Stärke des Ehrenamts gezeigt: Während die Olympiabewerber, nachdem es keine Bezahlung mehr gab, ihre Website abschalteten und keine Aktivitäten mehr erkennbar sind, gibt es Nolympia nach wie vor und die Website wird weiterhin gepflegt und aktualisiert.

Weitere Informationen: www.nolympia.de (de)

Zum Autor

Axel Doering war 42 Jahre Förster in Garmisch-Partenkirchen, sass dort 18 Jahre im Gemeinderat und im Tourismusausschuss. Er  ist Kreisvorsitzender des Bundes Naturschutz (BN) in Garmisch-Partenkirchen und Sprecher des Landesarbeitskreises Alpen des BN. In der CIPRA Deutschland bekleidet er das Amt des Vizepräsidenten.
Im Jahr 2010 war Axel Doering einer der Mitbegründer des Netzwerks Nolympia zur Ablehnung der Olympiabewerbungen München 2018 und München 2022.

Kontakt: doering@bn-gap.de