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Die Kandidatur von Annecy für die Olympischen Winterspiele 2018

© Comité Anti Olympique Annecy 2018 Zrilic

Das französische Komitee im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) beschloss, sich um die Winterspiele von 2018 zu bewerben. Annecy wurde unter mehreren Städten (Grenoble, Nizza, Ecrins-Pelvoux) ausgewählt. Die Entscheidung war politisch motiviert, auch wenn dies stets dementiert wurde.
An der Bewerbung von Annecy, die vom Departement Haute Savoie vehement unterstützt wurde, waren anfangs alle Wintersportorte des Departements beteiligt. Die Region Rhône-Alpes schloss sich trotz einigen Widerstands an. Der französische Staat haftete für das finanzielle Risiko, wie es seine Pflicht war – nicht mehr und nicht weniger!

Wenig Unterstützung aus der Bevölkerung

Die Bewerbung von Annecy wurde als «grüne» Kandidatur angekündigt. CIPRA Frankreich beteiligte sich in einem Umweltkomitee, legte dann aber sein Mandat aus Protest nieder, weil das Komitee nur als Fassade diente und keinen echten Willen zum Schutz der Umwelt erkennen liess.
Umfragen in der Bevölkerung und besonders in Annecy liessen keine grosse Unterstützung für die Kandidatur schliessen. Verbände verwiesen auf die finanziellen und ökologischen Kosten und kritisierten die sinnlosen Projekte, wie zum Beispiel drei neue Eisbahnen für eine bereits bestens ausgestattete Region und die versprochene Sanierung der Schienenwege, die auch ohne Olympische Spiele vorgesehen war.

Eine wackelige Kandidatur

Bei der ersten Prüfung der Bewerbungen landete «Annecy 2018» hinter München und Südkorea auf dem dritten Platz. Trotzdem wollte «Annecy 2018» weiter um die Spiele kämpfen, und änderte sein Konzept grundlegend nach den Vorgaben des IOC. Die Wettkampfstätten wurden nun auf die Gemeinden Chamonix, La Clusaz und die Stadt Annecy verteilt, die anderen Wintersportorte blieben aussen vor. Zu diesem Zeitpunkt wäre es vernünftig gewesen, die Bewerbung zurückzuziehen, um die bereits erfolgten Ausgaben von 16 Millionen Euro für eine aussichtslose Kandidatur nicht weiter in die Höhe zu treiben. Den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2018 erhielt schliesslich das südkoreanische Pyeongchang. An der Spitze des Organisationskomitees wechselten sich vier Geschäftsführer ab, was die wackelige Unterstützung und die politischen Konflikte mit der Isolierung des Bürgermeisters von Annecy deutlich machte.

Gebastel aus Eigeninteressen

Fazit: Eine kostspielige Bewerbung, die in einem kleinen, lokalen und politischen Komitee zusammengebastelt wurde, wo jeder versuchte, das Beste für sich herauszuholen. Das Ergebnis war eine Kandidatur ohne schlüssiges Konzept, die in der Bevölkerung auf Desinteresse und zum Teil auch auf heftigen Widerstand stiess.

Über den Autor:

Patrick Le Vaguerèse ist Vize-Präsident von Mountain Wilderness Frankreich und Ehrenpräsident von CIPRA Frankreich.

Kontakt: patrick.le-vaguerese@sfr.fr