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Standpunkt: Ein Plädoyer für bunte Städte

Magdalena Holzer, Projektleiterin bei CIPRA International. (c) Caroline Begle, CIPRA International

Corona hat eindrücklich gezeigt, wie wichtig erreichbare Naherholungsräume für unser Wohlbefinden sind. Über 70 Prozent der Alpenbevölkerung leben in Städten. Insbesondere dort gibt es grosses Handlungspotential, meint Magdalena Holzer, Projektleiterin bei CIPRA International.

An Hausfassaden, auf Dächern, in privaten Gärten: Das Grünvolumen in der Stadt muss massiv erhöht werden – fürs Auge und fürs Klima. Durch Massnahmen wie beispielsweise die Entsiegelung von Asphaltwüsten verschwinden Hitzeinseln, wird mehr CO2 eingelagert und steigt die Lebensqualität. Einige Städte in den Alpen leisten hier schon Erstaunliches, wie beispielsweise die Alpenstädte des Jahres Annecy oder Chambéry in Frankreich mit Flussrenaturierungen im Stadtgebiet, Belluno in Italien mit dem Beitritt zum Europäischen Netz für pestizidfreie Städte oder Villach in Österreich als «Essbare Stadt». Diese Beispiele müssen Schule machen; Stadtplanung braucht Mut zu Mikrowildnis.

Mindestens 50 Quadratmeter Grünfläche in unmittelbarer Wohnnähe sollten jeder Bewohnerin und jedem Bewohner einer Stadt zu Verfügung stehen, pestizidfrei gepflegt und regional bepflanzt. Dies spart Transportwege und CO2. Weniger Mähen und Jäten verringert den Arbeitsaufwand und leistet einen wichtigen Beitrag zur Förderung der biologischen Vielfalt. Platz dafür gäbe es zur Genüge: Einkaufsmeilen sind oft in Lieblos und Grau gestaltet. Gezeigt hat sich das noch mehr während des Corona-Lockdowns: Niemand wollte sich dort aufhalten. Auch in der Konzeption und im Management von Parkplätzen liegen noch gewinnbringende Lösungen brach.  Wohn- und Lebensqualität findet auch ausser Haus statt und spiegelt sich im Wohlbefinden der gesamten Gemeinde wider. Welches Aufatmen für unsere Lunge – nicht nur in Coronazeiten! Es gibt enormes Potenzial für die Planung von ansprechenden, grünen und versiegelungsarmen Stadtflächen.  

Blühende Inseln in der Stadt sind als «Trittsteine» verbindende Elemente von Biotopen und wichtig für den ökologischen Verbund. Sie helfen Bienen oder anderen Bestäubern, damit sie ihre fundamentale Funktion wahrnehmen können. Jeder dieser Trittsteine gibt uns die Möglichkeit, mehr über Zusammenhänge in der Natur zu lernen und ist Teil eines Netzwerks, das uns in der Klimakrise hilft. Gebiete, die eine hohe Biodiversität aufweisen, sind unbestritten widerstandsfähiger. Die Natur ist auf unserer Seite, wenn wir ihr genügend Raum geben.