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Kritik an neuen Jagdgesetzen

Verschiedene Ansichten: Jagdgesetze werden zurzeit in vielen Alpenländern neu ausgehandelt.

Wenn sich Jagd und Artenschutz ins Gehege kommen: Einige Alpenländer und -regionen wollen die Jagd auf Wildtiere gesetzlich neu regeln. Das sorgt für Kritik.

Grossraubtiere wie Wolf und Bär stehen überall in den Alpen unter Schutz. In der Schweiz sorgt nun die geplante Änderung des Jagdgesetzes für viel Kritik bei Naturschutzorganisationen. Mit Jahresbeginn haben sie bereits mehr als 100‘000 Unterschriften dagegen gesammelt. Das Gesetz sei einseitig auf Jagdanliegen ausgelegt und bringe der Naturschutzorganisation Pro Natura zufolge die Ausgewogenheit von Jagd und Artenschutz durcheinander. Ausserdem soll es mit dem neuen Gesetz möglich sein, streng geschützte Tiere wie Wölfe zu schiessen, auch wenn diese keinen Schaden angerichtet haben.

Rechtliche Zweifel

In Deutschland ist im März 2020 eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes bereits in Kraft getreten. Dort ist es nun möglich, die Anzahl der Wölfe so lange zu dezimieren, bis Tierrisse in der jeweiligen Region aufhören. Bislang unklar ist, ob die Gesetzesänderung mit dem europäischen Naturschutzrecht konform geht. Ähnliche rechtliche Zweifel gibt es zu neuen Richtlinien in Slowenien, das Anfang 2020 ein Interventionsgesetz verabschiedet hat, wonach 30 Prozent der Wolfs- und rund ein Viertel der Bärenpopulation geschossen werden sollen. In Grenoble/F drängen NGOs auf den stärkeren Schutz des Alpenschneehuhns, dessen Bestand durch die Klimakrise stark schrumpft. Eine gerichtliche Entscheidung wurde Ende 2019 vertagt. Die Region Piemont/I dagegen will die Jagd auf das Alpenschneehuhn und andere Vogelarten freigeben.

Dialoge ermöglichen

Die Änderung der Jagdgesetze wie in der Schweiz und Deutschland sei der Versuch, auf neue Interaktionen von Natur und Mensch wie beim Wolf zu reagieren, sagt Marion Ebster. Sie ist Projektleiterin des Bereichs «Natur & Mensch» bei CIPRA International. «Wichtig in den oft emotional sehr aufgeladenen Debatten ist es, Dialogmöglichkeiten auf regionaler und lokaler Ebene mit den unterschiedlichen AkteurInnen zu schaffen». Das ist auch das Hauptanliegen des von der CIPRA initiierten und im Februar 2020 angelaufenen Projekts «Wissenstransfer zur Ko-Adaptation mit dem Wolf in alpinen Regionen».

 

Quellen und weiterführende Informationen:

www.pronatura.ch/de/jagdgesetz-nein, https://jagdgesetz-nein.ch/, https://ja-jagdgesetz.ch/argumente/, www.bmu.de/pressemitteilung/mehr-rechtssicherheit-im-umgang-mit-dem-wolf/ https://www.juwiss.de/24-2020/, www.placegrenet.fr/2019/10/31/la-lpo-demande-linterdiction-de-la-chasse-au-lagopede-alpin-en-isere-savoie-et-haute-savoie/265457 (fr), www.placegrenet.fr/2019/11/09/chasse-au-lagopede-alpin-autorisee/266800 (fr), https://wilderness-society.org/emergency-wolf-and-bear-cull-to-continue-in-slovenia/ (en), www.delo.si/novice/slovenija/drzavni-svet-na-smrt-obsodil-220-medvedov-in-30-volkov-283295.html (sl), www.uccellidaproteggere.it/Le-specie/Gli-uccelli-in-Italia/Le-specie-protette/PERNICE-BIANCA2 (it)