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Wenn Wölfe wandern

Grenzgänger: Auch abseits von Zoos kehrt der Wolf in die Alpen zurück. (c) pilot_micha, flickr.com

Emotionen gehen hoch, sobald Wölfe von Menschen erdachte Grenzen überschreiten. Die alpenweite WISO-Plattform versucht zu vermitteln, Slowenien übernimmt 2019 deren Vorsitz.

Wölfe galten in den meisten Alpenregionen lange als ausgestorben. Nun kehren sie zurück. Debatten über den Umgang mit ihrer Rückkehr werden schnell emotional, denn die Tiere überschreiten von Menschen gezogene Grenzen – sowohl politische als auch jene zwischen Wildnis und Kulturlandschaft. Der im März 2019 vom bayerischen Umweltministerium vorgelegte «Aktionsplan Wolf» sieht Herdenschutzzäune und finanzielle Entschädigungen für gerissene Weidetiere vor, das «Konzept Wolf Schweiz» definiert sogar, wo genau die Grenze zwischen Natur und Kultur zu verlaufen hat: in 50 Metern Distanz zum Siedlungsgebiet. Schlägt ein Wolf sein «Tageslager» näher auf, gilt das für Behörden als eine Grenzüberschreitung.

Grenzen neu aushandeln

Wölfe zwingen Menschen allein durch ihre Präsenz dazu, Grenzen neu auszuhandeln. Herdenschutzmassnahmen seien der Versuch, den zurückkehrenden Wolf mit bestehenden gesellschaftlichen Systemen wie Landwirtschaft und Tourismus kompatibel zu machen, erklären die Sozialanthropologin Elisa Frank und ihr Kollege Nikolaus Heinzer von der Universität Zürich. «Also dass man sagt: Okay, wir wollen weiterhin Schafe in den Alpen haben. Die Wölfe wollen wir aber auch haben, und wie bekommen wir beides unter einen Hut?» Frank und Heinzer erforschen das Thema im Projekt «Wölfe: Wissen und Praxis. Ethnographien zur Wiederkehr der Wölfe in der Schweiz», gefördert durch den Schweizerischen Nationalfonds.

Auf internationaler Ebene diskutiert die Plattform «Grosse Beutegreifer und wildlebende Huftiere» der Alpenkonvention (WISO) Massnahmen und Erfahrungen zur Ko-Existenz von Wildtieren und Gesellschaft. Ihr Ziel ist es, ausgewogene Lösungen für das Management von wildlebenden Huftieren und grossen Beutegreifern wie Bären und Wölfen zu finden. Slowenien übernimmt 2019 den Vorsitz der Plattform, das nächste Treffen sei im Herbst geplant, bestätigt WISO-Mitglied Rok Černe. «Die Hauptthemen innerhalb unseres Mandats sind die Arbeit an Schadensthemen, Informationsaustausch und Huftierhaltung.» Špela Berlot, Geschäftsführerin von CIPRA Slowenien, sieht ihr Land auf einem guten Weg zum erfolgreichen Management der Wolfspopulation. «Der slowenische Vorsitz bestätigt die kontinuierliche Arbeit von Experten, die nicht nur Fachleute, sondern auch wichtige Botschafter des Wolfes in der Gesellschaft sind.»

 

Quellen und weiterführende Informationen:

www.news.uzh.ch/de/articles/2018/Wolfsterritorien.html,
www.bestellen.bayern.de/application/eshop_app000005?SID=740052185,
www.cipra.org/de/dossiers/grossraubtiere,
www.alpconv.org/de/organization/groups/WGCarnivores/default.html 

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