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Gletschereis am Stiel

Felix Keller (links) und Conradin Clavuot in einem Eis-Stupa am Fusse des Morteratschgletsches. (c) Mayk Wendt

Künstliche Eiskegel und «Schneiseile»: Damit wollen Schweizer Glaziologen Gletschereis als Wasser-Reservoir retten und Skigebiete umweltfreundlicher beschneien. Die Idee dazu stammt aus dem indischen Himalaya-Gebiet.

Wasserknappheit aufgrund schwindender Gletscher: Dieses Klimaszenario ist in Ladakh, Indien, bereits Realität. Dort fällt im Vergleich zu den Alpen nur ein Zehntel der Niederschlagsmenge, Bauern sind auf das Gletscherwasser angewiesen. 2014 hatte der indische Ingenieur Sonam Wangchuck eine Idee, wie man das Eis ohne zusätzlichen Energieaufwand konservieren könnte, nämlich mit Eiskegeln. Dazu leitete er Schmelzwasser in ein Rohr, die Schwerkraft drückte es durch eine Düse, es gefror an zuvor aufgestellten kegelförmigen Konstruktionen. Manche der so genannten «Eis-Stupas» sind so hoch wie Kirchtürme. Als «revolutionär» bezeichnet der Schweizer Architekt Conradin Clavuot dieses System. Mit Studierenden der Universität Liechtenstein besichtigte er die indischen Eis-Stupas, baute sie in der Schweiz nach und entwickelt sie nun im Austausch mit Kollegen der Universität Ladakh weiter.

Seile sollen Gletscher beschneien

Neben den im Februar 2021 am Fusse des Morteratschgletschers/CH vorgestellten Eis-Stupas hängt der Prototyp eines «Schneiseils» in der Luft, es gehört zum Projekt MortAlive um den Schweizer Glaziologen Felix Keller. Das an Seilen befestigte und mit Wasserdüsen bestückte Aluminiumrohr funktioniert ähnlich wie die Eis-Stupas, allerdings will Keller damit ganze Gletscherflächen beschneien, um noch mehr Eis zu konservieren. «Solange Schnee auf dem Eis liegt, ist es geschützt», erklärt Keller, «denn Schnee reflektiert die einfallende Sonneneinstrahlung und isoliert vor warmen Sommertemperaturen.» Wenn sich die Testanlage bewährt, könnte bald ein 600 Meter langes Seil direkt über dem Gletscher folgen. Dass das ein Eingriff in die Natur wäre, liesse sich nicht schönreden. «Aber die Leute, die davon leben, hätten länger Wasser zur Verfügung. Es geht auch darum, dass wir den Wintersport erhalten, denn die Bevölkerung hier lebt auch vom Tourismus.» Die Beschneiung des Gletschers über einen Zeitraum von 30 Jahren würde etwa 100 Millionen CHF kosten. Den Gletscherschwund könnte man mit dieser teuren Lösung zwar um einige Jahre hinauszögern, doch aufhalten liesse er sich damit nicht, wie auch Keller zugibt.

 

Quellen und weiterführende Informationen:

Selbstgemachte Gletscher: Die Eiskegel von Indien (National Geographic), "Ich will das nicht schönreden" (Süddeutsche), „Schnei-Seil“ soll Gletscherschwund aufhalten (ORF), MortAlive, Eisstupa (Wikipedia)