Debatten um Windparks am Berg
Zugvögel besser vor Windturbinen schützen: Wetterradar-Daten machen es möglich. Das ändert wenig an den hitzigen Diskussionen rund um Windkraft im Alpenraum.
Über den Schweizer Gotthardpass fliegen jährlich 1,7 Millionen Zugvögel. Dort schalten sich die Windräder ab, wenn ein lokales Wetterradar grosse Vogelschwärme registriert. Dass Abschaltungen anhand dieser Daten tatsächlich helfen und nur geringe Einbussen in der Stromproduktion bedeuten, zeigt eine aktuelle Studie der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. Ein flächendeckender Einsatz dieser Technologie könnte somit vielen Vögeln das Leben retten.
Gegenwind und Widersprüche
Besonders gut geeignete Standorte für Windparks befinden sich häufig in ökologisch sensiblen, hochalpinen Landschaften. Der Bau von Windrädern und den dafür nötigen Zufahrtstrassen sind vielerorts umstritten, etwa am Sattelberg an der italienisch-österreichischen Grenze: Dort wurde ein geplanter Windpark nach langjährigen Gerichtsverfahren nie gebaut, doch mehr als ein Jahrzehnt später plant nun der Bürgermeister von Brennero/Brenner am benachbarten Sandjoch erneut einen Windpark. Gegenwind kommt vom österreichischen Alpenverein, den Südtiroler Grünen und einer österreichischen Nachbargemeinde. In Kärnten/A fand Anfang 2025 eine Volksbefragung zu einem generellen Windkraftverbot statt, der Verfassungsgerichtshof stufte sie im Nachgang als tendenziös und gesetzeswidrig ein. Schweizer Initiativen forderten ein generelles Bauverbot von Windkraftanlagen in Waldgebieten sowie Abstimmungen in betroffenen Gemeinden, im Juni 2026 lehnte der Bundesrat beide ab.
Diskussionen wie diese verdeutlichen, dass es alpenweit tragfähige Lösungsansätze für Nutzungs- und Interessenskonflikte beim Ausbau erneuerbarer Energien braucht. In ihrem Landschafts-Positionspapier fordert die CIPRA «eine koordinierte Planung, die sowohl Vorranggebiete wie auch Ausschlussgebiete definiert», eine Senkung des Verbrauchs müsse dabei stets oberste Priorität haben. Das Vermitteln zwischen Energiewende und Renaturierung waren auch Thema der CIPRA-Fachtagung 2025 mit dem Titel «Hochspannung in den Alpen».
Quellen und weiterführende Informationen:
www.wsl.ch/de/news/radardaten-koennen-voegel-vor-windraedern-schuetzen/ (de), www.derstandard.de/story/3000000328665/ein-suedtiroler-buergermeister-traeumt-von-windkraft-in-den-alpen-aus-oesterreich-kommt-widerstand (de), www.srf.ch/news/international/stromversorgung-oesterreich-setzt-auf-wind-statt-auf-atomkraft-und-die-schweiz (de), www.cipra.org/de/dossiers/natur-und-mensch/gerettete-landschaften/sattelberg-at-it (de, fr, it, sl), www.derstandard.at/story/3000000301977/verfassungsgerichtshof-erklaert-kaerntner-volksbefragung-zur-windkraft-fuer-gesetzeswidrig (de), https://tirol.orf.at/stories/3362631/ (de) www.swissinfo.ch/ (de), www.efd.admin.ch/ (de, fr, it), https://salzburg.orf.at/stories/3347164/ (de)