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Mit Good Governance in die Energieautonomie

Mit Good Governance in die Energieautonomie

Zukunftsträchtig: Intelligente Technologie auf dem Dach, moderater Energieverbrauch im Haus und eine offene Haltung der Bewohner (ein Bauernhof im Grossen Walsertal). © Heinz Heiss / Zeitenspiegel

Kaum ein Thema wie Klimaschutz, das so intensiv alle Lebensbereiche durchwirkt. Besonders schwer wiegt die Verantwortung dort, wo pro Kopf besonders viele Klimagase ausgestossen werden – wie in den Alpen. Die «Energiezukunft Vorarlberg» ist ein Versuch, diese Verantwortung wahrzunehmen.
Als weithin akzeptierter oberster Grenzwert im Klimaschutz gilt das Zwei-Grad-Ziel. Dafür müssen die CO2-Emissionen in den Industrie­ländern bis 2050 um 80 bis 95 Prozent reduziert werden. Das bedingt eine weitreichende Transformation unserer Wirtschafts- und Lebensgewohnheiten. Da geht es nicht mehr nur um die Frage intelligenter Technologien, sondern gleichzeitig um die Gewohnheiten und Werthaltungen aller. Ein solcher Transformationsprozess muss daher von der gesamten Bevölkerung akzeptiert, mitgetragen und mitgestaltet werden. Das wiederum erfordert einen Wandel der demokratischen Entscheidungsprozesse. Die Politik begibt sich damit stärker in eine Rolle als Moderator von zielgerichteten Veränderungsprozessen.

Losgelöst von Hemmnissen
Mit der «Energiezukunft Vorarlberg» wurden erste Schritte in diese Richtung gewagt. Das Programm ist ein von der Landesregierung beauftragter Prozess zur Entwicklung und Gestaltung einer zukunftsfähigen Energieversorgung. Zu Beginn stand ein Visionsprozess. Es ging darum auszuloten, was mit dem heute verfügbaren Wissen für 2050 als möglich erachtet wird – ohne auf Hemmnisse wie wirtschaftliche, rechtliche oder politische Restriktionen des Status quo Rücksicht zu nehmen. Dazu wurden zehn Werkstätten eingerichtet. In einem abstrakten Raum mit Spielregeln sollten sich die Teilnehmenden von ihren Vertretungsinteressen lösen. Ein weiteres Prinzip des Prozesses war, dass seitens der Programmleitung keine Eingriffe vorgenommen wurden. Damit sollte das Verantwortungsbewusstsein erweitert werden. So jedenfalls die Prozessidee.
Die Visionsarbeit hat zu einem – aus Sicht der Projektleitung – überraschenden Ergebnis geführt: Es konnte skizziert werden, dass eine jahresbilanziell vollständig auf erneuerbaren Energieträgern beruhende Energieversorgung möglich ist. Diese Erkenntnis diente dem Vorarlberger Landtag, also dem Parlament, als Basis für einen einstimmig gefassten Beschluss für ein energieautonomes Vorarlberg als strategisches Ziel.

Zufällig ausgewählt
Im Zuge des Visionsprozesses wurden auch eine Reihe von so genannten Bürgerräten durchgeführt. Gemäss einer statistisch repräsentativen Zufallsauswahl wurden BürgerInnen eingeladen, sich mit der Ausgangssituation – Klimawandel, Energieknappheiten, etc. – und aus ihrer Sicht notwendigen Strategien auseinanderzusetzen.
Dabei beeindruckte die Treffgenauigkeit der Analyse und die grundlegende Qualität der vorgeschlagenen Strategien. Andererseits zeigte der Diskussionsprozess, dass sich im Ringen um Massnahmenvorschläge stets das Gemeinwohl durchsetzte. Das schafft Vertrauen in eine Ausweitung von Beteiligungsprozessen und ist eine Ermutigung an die Politik, BürgerInnen stärker als Verbündete bei umfassenden Veränderungsprozessen wahrzunehmen.

aus: Szene Alpen Nr. 96 (www.cipra.org/de/alpmedia/publikationen/4960)