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Das bergsteigende Klassenzimmer

26.08.2021
Klimawandel, Biodiversität und nachhaltige Entwicklung: Wenn es darum geht, junge Menschen für diese Themen zu sensibilisieren, ist Bildung über und in den Bergen eine wertvolle Ressource.
Bild Legende:
Berge als Lehrmeister: Der Unterricht in luftigen Höhen schärft das Bewusstsein für alpine Natur- und Kulturwerte. © Nejc Kavka

Felsen, blauer Himmel und mittendrin eine Gruppe Jugendlicher: Sie steigen dem Gipfel des Triglav, Sloweniens höchstem Berg, entgegen und sichern sich gegenseitig. Ein Lehrer begleitet sie bei dieser etwas anderen Unterrichtsstunde. So oder so ähnlich könnte der Alltag einer Alpinen Schule aussehen. Doch die meisten Jugendlichen in den Alpen leben auch abseits der Städte einen urbanen Lebensstil, die direkte Abhängigkeit von der Natur nimmt – so scheint es – ab. Die Kehrseite des modernen Lebensstils ist, dass junge Menschen im Alltag immer weniger körperlich aktiv sind. So ist es kein Wunder, dass Jugendliche die Berge zunehmend als unzugänglich, fremd und anstrengend empfinden. Weniger Zeit in den Bergen bedeutet auch einen Mangel an bergsteigerischer Ausbildung und den damit verbundenen Werten. Das schwächt den persönlichen Bezug zu den Bergregionen. Wir haben uns deshalb im internationalen YOUrALPS-Projekt von 2016 bis 2019 das Ziel gesetzt, ein Modell einer Alpinen Schule und deren Werte zu etablieren. Das Projekt fand im Rahmen des Interreg-Alpenraumprogramms statt. 

Das Bildungsmodell der Alpinen Schule wurde entwickelt, um Jugendliche durch aktive Lernformen, -methoden und -ansätze ganzheitlich über alpine Landschaften aufzuklären, das Bewusstsein für die Bedeutung einer nachhaltigen Entwicklung der Bergregionen zu schärfen und die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Jugendlichen zu entwickeln. 

Lernort Berg

Bildung über und mit Bergen betont positive Beziehungen zwischen Bergregionen und der Gesellschaft. Im alpinen Kontext ermöglicht sie jungen Menschen, sich mit Berglandschaften sowie deren materiellen und immateriellen Erbe auseinanderzusetzen. Sie stellen sich den Herausforderungen der Gegenwart in den Bergen und bauen ihre Fähigkeiten, Kompetenzen und Resilienz auf der Grundlage des reichen kulturellen und natürlichen Erbes der Alpen auf. Diese Form der Bildung basiert auf Prinzipien wie Kooperation, Handlungsfähigkeit, Selbstbestimmung, lebenslangem Lernen, Identifikation mit der alpinen Umwelt als lebendige Ressource und der Integration aller Bildungsmöglichkeiten.

Es ist wichtig, jungen Menschen nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch bergsteigerische Werte und eine positive Einstellung zu den Bergen und der Natur im Allgemeinen mitzugeben. Auf Moos gehen, dem Wind lauschen, Beeren essen: Bewegen sich Jugendliche in den Bergen, dann aktiviert das ihre Sinne. Sie hören, riechen und schmecken die Berge sozusagen. Selbstständiges Arbeiten und Beobachten steht dabei im Vordergrund. Die Gebirgslandschaft wird so zum multidisziplinären Klassenzimmer.