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Bürgerbeteiligung: Wie wir Land gewinnen

Im Einsatz für Kulturlandschaft: Jugendliche schneiden auf der Rossalm/D Latschenkiefern, um die Verbuschung zu verhindern. (c) Anna-Marie Heinze

Alpenweit übernehmen Menschen Verantwortung für sorgsamen Umgang mit Landschaft. Sie kaufen Grundstücke, stimmen ab, übernehmen Patenschaften und pflegen jahrhundertealte Kulturlandschaften.
In keinem anderen europäischen Land gibt es so viel Supermarkt­fläche pro Kopf wie in Österreich. Täglich gehen Freiflächen in der Grösse von 30 Fussballfeldern verloren, weil sie verbaut werden. Um diese Verbauung der Landschaft zu bremsen, gründeten Bür­gerinnen und Bürger im österreichischen Bundesland Vorarlberg 2011 den Verein «Bodenfreiheit». Mit den Mitgliedsbeiträgen kauft der Verein Freiflächen und erarbeitet alternative Nutzungskonzep­te. So entstehen neue Gemeinschaftsgärten, Abenteuerspielplät­ze, öffentliche Fussballplätze, Blumenwiesen oder Biotope anstatt neuer Supermärkte.

Im Südtiroler Vinschgau, Italien, übernehmen Bürgerinnen und Bür­ger seit 2015 Patenschaften von Biotopen und Naturdenkmälern. Rund 30 Patinnen und Paten besuchen regelmässig «ihre» Schutz­gebiete und tauschen sich aus. Das animiert auch die zuständigen Behörden, diese geschützten Landschaften zu erhalten und wei­terzuentwickeln.

Jugend packt an

Wie man Jugendliche am Erhalt von Natur- und Kulturlandschaft beteiligen kann, zeigt das Junge Forum von CIPRA Deutschland mit Freiwilligeneinsätzen zur Pflege der Kulturlandschaft auf Almen. So wirken die Jugendlichen der fortschreitenden Verbuschung entge­gen und sensibilisieren zugleich andere Jugendliche für dieses Pro­blem. 2018 trafen sich die Freiwilligen drei Mal auf verschiedenen Almen in den bayerischen Alpen, um Latschenkiefern zu schneiden.

Auch der slowenische «Sustainability Park Istra» setzt auf die Betei­ligung Jugendlicher. Sie packen dort freiwillig bei der Restaurierung alter Häuser und Trockenmauern mit an und befreien zugewachse­ne Pfade von Gestrüpp. Damit bewahren sie eine jahrhundertealte Kulturlandschaft.

Nachgefragt

Die Schweiz lebt Bürgerbeteiligung direktdemokratisch in Form von Volksabstimmungen. 2012 verankerte das Stimmvolk die Be­schränkung des Baus von Zweitwohnungen auf 20 Prozent des Gebäudebestandes in der Verfassung, dank einer Initiative des Umweltaktivisten Franz Weber. Neben dem Landschaftsschutz dämmt sie die Zersiedelung und Verbauung touristisch attraktiver Regionen ein.

Aufgrund von Ausbauplänen für Skigebiete in den französischen Alpen startete 2017 eine Gruppe von Studierenden, Forscherinnen, Bergrettern und -führerinnen die Online-Umfrage «Montagne De­bout». Diese sollte den Bergbewohnern eine gemeinsame Stimme verleihen. Innerhalb nur eines Monats beteiligten sich 7’000 Men­schen an der Umfrage, die Hälfte von ihnen wohnt in den Bergen, ein Drittel arbeitet dort. Das Ergebnis? Die Mehrzahl der Befragten betont ihre Liebe zur Berglandschaft und lehnt deren Banalisierung durch respektlose Formen des Tourismus ab. 

Kastanienbäume pflegen und ankommen

Ungenutzte Flächen wiederbeleben, gesunde und regionale Lebensmittel produzieren, Menschen in die lokale Gemeinschaft integrieren: Der Verein «Germinale Coope­rativa Agricola di Comunità» beschreitet neue Wege und verbindet Landwirtschaft und Landschaftspflege mit so­zialem Engagement. Fünf EinwohnerInnen aus Demonte/I und vier junge AsylbewerberInnen aus Zentralafrika star­teten 2015 mit dem Projekt. Ihr Ziel war, eine gemein­schaftliche und soziale Landwirtschaft im Valle Stura/I zu schaffen, die Asylsuchende in Wirtschaft und Gesell­schaft integriert.

Im Rahmen des Interreg-Projekts PlurAlps unterstützt CIPRA International die Aktivitäten des Vereins. Geflüch­tete Menschen werden geschult, einen Bergbauernhof zu bewirtschaften. Der Arbeitszyklus der Kastanie steht im Mittelpunkt: von der Waldreinigung über die Ernte bis zur Verarbeitung der Früchte. Zudem lernen die Auszubilden­den die Zucht von Sambucana-Schafen, eine gefährdete alte Rasse der Region, den Anbau von Bio-Produkten, Kleinobst und Heilpflanzen sowie die Bienenzucht. Auf diese Weise können sie die Landschaft besser kennenler­nen und verstehen, sich weiterbilden und neue Arbeitsfel­der erschliessen.

 

Weitere Informationen:

www.cipra.org/de/pluralps

 

Quelle und weitere Informationen: www.cipra.org/szenealpen