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Alpine Gesellschaft am Wendepunkt

Leere Strassen am Furkapass im Wallis/CH: Die Corona-Pandemie führte 2020 zu einer Zwangspause und liess uns gesellschaftliche Entwicklungen in den Alpen hinterfragen. © Marco Ca/istockfoto

Stille Autobahnen, knackendes Gemüse, dröhnende Naherholungsgebiete, dumpfe Jugendperspektiven: Im Jahresbericht 2020 hört CIPRA International genau hin und zeigt die Hindernisse und Chancen der Corona-Pandemie.

Welche Impulse braucht es, damit sich die alpine Gesellschaft einer nachhaltigeren Lebens- und Wirtschaftsweise zuwendet? Wo gibt es Handlungsbedarf? Mit einer Online-Umfrage und Interviews mit ausgesuchten Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen und Regionen ging CIPRA International im Frühsommer 2020 diesen Fragen nach. Ein knappes Jahr danach zeigt sich: Vieles, das als wünschenswert genannt wurde, ist eingetroffen. Man trifft sich online zu Sitzungen und Kaffeepausen, kauft Alpkäse im Selbstbedienungsladen auf dem Bauernhof und reist weniger.

Ambivalente Aussichten

Die Pandemie hat aufgezeigt, dass wir an einem Wendepunkt stehen, der neue Möglichkeiten eröffnet – in Tourismus, Naturschutz und Verkehr. Viele Menschen entdeckten die Schönheit der Natur in ihrer unmittelbaren Umgebung und verbrachten dort mehr Zeit. Naturnahe Tourismusdestinationen profitierten davon, Nutzungskonflikte sowie steigender Druck auf Naturräume waren aber ebenso Realität.  Während der Lock-down-Phasen widmeten sich viele verstärkt der eigenen Ernährung und der Bedeutung von regionalen sowie saisonalen Lebensmitteln, andere waren und sind mit unsicheren bis existenzbedrohenden Zukunftsperspektiven konfrontiert. Geschlossene Grenzen zwischen Nationalstaaten, Regionen und Gemeinden sorgten für ein ungewöhnliches Phänomen in alpinen Dörfern, an der Brenner Autobahn und in Flugkorridoren: Stille. Plötzlich erlebten die Menschen dort, wie das Leben ohne Dauerlärm und Abgase sein könnte. Katharina Conradin, Präsidentin von CIPRA International, freut sich, dass Nachhaltigkeitsfragen den Sprung aus der «Öko-Ecke» geschafft haben und in der Öffentlichkeit breit diskutiert werden. Die wichtigste Frage aber komme erst, wie Conradin meint: «Wollen wir wieder zurück zum Alten? Oder nutzen wir die Möglichkeiten, die in diesem (ungeplanten) Neuanfang liegen?»

Für die alpine Landschaft Partei ergreifen, Outdoor-Tourismus nachhaltiger gestalten, wirkungsvoller über den Klimaschutz sprechen, ein alpenweites Ticket für den öffentlichen Verkehr entwickeln, ein friedliches Zusammenleben zwischen Mensch und Wolf ermöglichen: Entdecken Sie diese und weitere Projekte und Aktivitäten von CIPRA International im Jahresbericht 2020.