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Medienmitteilung

Transitverkehr: Alpenschutzkommission verlangt Mauterhöhung

Alpenbevölkerung entlasten: CIPRA International fordert eine länderübergreifende Mindestmaut im Transitverkehr. (c) European Roads_flickr

Um die Zahl der Lastwagen auf der meistbefahrenen Transitroute der Alpen einzudämmen, fordert die Alpenschutzkommission CIPRA International in einem offenen Brief an die zuständige EU-Kommissarin sofortige Massnahmen: Eine höhere Lastwagenmaut am Brennerkorridor und europaweit eine Mindestmaut mit wirksamen Zuschlägen im Alpenraum und anderen belasteten Räumen. Am 28. August 2019 treffen ExpertInnen der betroffenen Staaten und Regionen mit VertreterInnen der EU-Kommission in Brüssel zusammen, um Maut-Massnahmen zu besprechen.

Auf der Brennerachse zwischen München und Verona überqueren jährlich mehr Lastwagen die Alpen als auf allen anderen alpenquerenden Routen zusammen: 2018 waren es 2.42 Millionen Lastwagen, 2019 soll die 2.5 Millionen-Marke erreicht werden. Diese stetig steigende Zahl macht technischen Fortschritt bei Treibstoffverbrauch und Emissionsreduktion zunichte. Auf der Strecke bleiben die Gesundheit der Alpenbevölkerung und der Natur entlang der Strecke. Aktuellen Untersuchungsergebnissen[1] aus Tirol/A zufolge nehmen mindestens 700.000 Lastwagen jährlich umwelt- und klimabelastende Umwege bis zu mehreren hundert Kilometern in Kauf, weil es sich rechnet. Die Maut für Schwerlastwagen in Österreich pro Kilometer liege nahe am Schweizer Niveau, erläutert Reinhard Gschöpf, Geschäftsführer von CIPRA Österreich. «Die österreichische Mauthöhe kann aber nicht aufwiegen, dass die Mautsätze in Deutschland und Italien nur rund ein Fünftel davon kosten, und das auf 320 der 430 Kilometer des Korridors München-Verona.» Die Stickoxid-Grenzwerte werden entlang der Brenner-Achse immer häufiger überschritten, so Klauspeter Dissinger, Präsident von CIPRA Südtirol. «Damit die geltenden Grenzwerte entlang der Brennerautobahn mit ihren 40ʼ000 Anrainern in Südtirol eingehalten werden, muss Italien die Mautsätze erhöhen.» Die Hauptursache für die aktuell unerträgliche Verkehrsbelastung sei die zu niedrige Mautgebühr für Lastwagen, wie Kaspar Schuler, Co-Geschäftsführer von CIPRA International, erläutert. «Eine Maut-Mindesthöhe, die Raum für gezielte Erhöhungen lässt, ist der Schlüssel zum Erfolg. Das wird den Umwegverkehr eindämmen.»

Umweg-Transitverkehr vermeiden

Während eines Transitgipfels Ende Juli haben sich nationale und regionale Regierungsvertreter aus Bayern/D und Tirol/A auf zehn Punkte geeinigt – darunter auch Vorschläge für «flexiblere Mauttarife», die Umweg-Transit vermeiden und den Schwerverkehr von der Strasse auf die Schiene bringen sollen.

Die Alpenschutzkommission CIPRA International betont nun in einem offenen Brief an EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc, dass die durch Tirol/A und Salzburg/A im Sommer 2019 ergriffenen Massnahmen zur Verkehrsberuhigung und Kanalisierung zu unterstützen sind, da sie aus schlichter Not getroffen wurden – zumal die als Lösung in Aussicht gestellte Eröffnung des neuen Brenner-Eisenbahntunnels erst in vielen Jahren greifen wird. Im Verkehrsprotokoll der Alpenkonvention verpflichten sich die Vertragsparteien dazu, Verkehrsbelastungen auf ein für Mensch und Natur erträgliches Mass zu senken. 2013 hat auch die Europäische Union das Verkehrsprotokoll unterzeichnet.

Die CIPRA fordert die EU-Verkehrskommissarin in einem offenen Brief daher auf

  • keine rechtlichen Schritte gegen die in Tirol gesetzten Notwehrmassnahmen wie Lastwagen-Dosierung und Abfahrtsverbote zu unternehmen oder zu unterstützen.
  • einen Vorschlag für eine wirksame Überarbeitung der EU-Wegekostenrichtlinie in Richtung Mindest- statt Höchstmauten vorzulegen, der wirksame Mautzuschläge für sensible Räume wie die Alpen zulässt,
  • umgehend und nachdrücklich an die zuständigen Vertreter der Mitgliedsstaaten Italien und Deutschland heranzutreten, damit sie die Lastwagenmaut auf ihren Abschnitten des Korridors München-Verona (derzeit ca. 16 Cent/km) an die Höhe in Österreich (73 Cent/km) angleichen.
  • das 10-Punkte-Programm des Berliner Transitgipfels aufzugreifen.

Rückfragen sind zu richten an:

Kaspar Schuler, Co-Geschäftsführer CIPRA International, kaspar.schuler@cipra.org, T +423 237 53 05, M +423 79 300 55

Klauspeter Dissinger, Präsident CIPRA Südtirol, T +39 348 228 8230

Reinhard Gschöpf, Geschäftsführer CIPRA Österreich, T +43 664 886 24 876



[1] Untersuchung von Planoptimo 2018/19 im Auftrag des Amtes der Tiroler Landesregierung auf Basis der CAFT-Erhebung im „Zurich Process“ der Alpenstaaten und der EU, dokumentiert im Bericht „Verkehr in Tirol 2018“, erschienen am 15.08.2019; vgl. https://www.tirol.gv.at/fileadmin/themen/verkehr/verkehrsdatenerfassung/downloads/VB_2018_web_final.pdf S. 8-9

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