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"Alpstar funktionierte wie ein Lift"

Daniel Oehry, (c) CIPRA International

Klimaneutrale Alpen, lautet die Vision der Projektpartner von Alpstar. In der Pilotregion Alpenrheintal wird erprobt, wie Pendelnde zum Umsteigen auf nachhaltige Verkehrsmittel motiviert werden können. Die Hilti AG in Schaan/LI wirkt als Modellfirma mit. Der Mobilitäts­beauftragte Daniel Oehry über das Zusammenspiel mit der CIPRA und weiteren Partnern.

Hilti hat weltweit eine Dienstwagenflotte von ein paar Tau­­send Fahrzeugen. Liegen da die Bemühungen der Alp­star-Mobilitätskampagne nicht etwas quer in der Landschaft?
Es gibt bei Hilti eine globale Betrachtung der Mobilität. Innerhalb dieses Rahmens überlegen wir uns, wie wir am Standort Liechtenstein damit umgehen. Die Projektskizze von Alpstar war sehr interessant und beinhaltete eine Fragestellung, auf die wir noch keine Antworten hatten. Vor allem bekamen wir Zugang zu Expertenwissen im Bereich Mobilitätsmanagement und Unterstützung durch externes Projektmanagement.

Bus- und Zugbahnhof liegen gleich vor dem Firmengebäude, die meisten Mitarbeitenden wohnen in der Nähe. Was braucht es, um ein Umdenken zu bewirken?
Aus der Sicht des Pendlers ist entscheidend: Wie oft muss ich umsteigen? Wie schnell und wie pünktlich sind die Verbindungen? Wenn diese Voraussetzungen gut sind, ist auch das Umsteigepotenzial gross. Die Fahrzeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln werden von den meisten jedoch zu hoch und jene fürs Auto zu tief eingeschätzt. Ein Umdenken wird in den meisten Fällen erst erreicht, wenn es jemand einmal ausprobiert und darüber diskutiert wird, oder wenn man sieht, dass der Nachbar jeden Tag mit dem Bus zur Arbeit fährt. Wir müssen den Mitarbeitenden auch nicht ins Gewissen reden wegen ihrer CO2-Bilanz, sondern ihnen bewusst machen, wie sie sich verhalten, damit sie sich selber die richtigen Fragen stellen. Diese Bewusstseinsbildung war der Kern der Alpstarkampagne und damit für uns der richtige Ansatz. Das Thema Mobilität hat heute bei Hilti einen ganz anderen Stellenwert als noch vor zwei Jahren.

Mit der CIPRA war ein Partner dabei, der - wie Hilti - international unterwegs ist, aber als NGO ganz andere Werte vertritt. Mussten erst Vorbehalte ausgeräumt werden?
Ich konnte keinerlei Vorbehalte feststellen, bei niemandem. Zum Querdenken, um neue Wege zu gehen und einen Schritt weiter zu kommen, braucht es Partner, die einen anderen Blickwinkel haben. Die Zusammenarbeit mit der CIPRA empfinde ich als sehr befruchtend, denn das Fachwissen und die verschiedenen Herangehensweisen sind eine echte Bereicherung. Es stehen Know-how und Zeit zur Verfügung, um dieses Projekt mit allen Partnern weiterzubringen. Ohne die Federführung der CIPRA wäre dieses nicht so erfolgreich.

Sie haben sich für diese Kampagne sehr ins Zeug gelegt, Mobilitätswochen organisiert, haben intern dafür geworben von der Produktionshalle bis in die Chefetagen. Hat sich der Aufwand bis jetzt gelohnt?
Auf jeden Fall. Ich habe erlebt, wie sich die Wahrnehmung des Mobilitätsmanagements verändert hat. Heute hat das Thema eine Plattform, es gibt neue Zuständigkeiten und es wird über verschiedene Kanäle laufend kommuniziert. Als wir die Zahlen bekannt machten, wie viele Parkplätze wir haben, wie viele Autos täglich auf dem Firmengelände stehen, und dass wir im Verhältnis dazu eher wenig regelmässige ÖV-Nutzer haben, sorgten wir für reichlich Gesprächsstoff unter den Mitarbeitenden.

Das Projekt läuft im Sommer 2014 aus. Wie tragen Sie die Erfahrungen und Erfolge weiter?
Die Erfahrung mit Alpstar führte zur Erkenntnis, dass wir die Bewusstseinsbildung auf hohem Niveau vorantreiben müssen. Es gab zuvor auch ein Mobilitätsmanagement, heute haben wir ein neues und durchdachtes Konzept für das Mobilitätsmanagement. Alpstar funktionierte wie ein Lift und hat das Thema bei uns auf eine höhere Bewusstseinsebene gehoben.

Barbara Wülser (Interview) und Caroline Begle (Foto)
CIPRA International

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Daniel Oehry ist Mobilitätsbeauftragter der Firma Hilti AG. Das Unternehmen, das auf technologische Produkte, Systeme und Dienstleistungen für die Bauindustrie spezialisiert ist, beschäftigt weltweit 21'000 Mitarbeitende. Von den rund 1'600 Mitarbeitenden am Hauptsitz in Schaan/LI pendeln über zwei Drittel aus dem nahen Ausland zu. Hilti wirkte in der Alpstar-Pilotregion
Alpenrheintal als Modellfirma mit.

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Quelle: Jahresbericht 2013, CIPRA International, www.cipra.org/jahresberichte