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Der Schutzwald braucht das Engagement aller

Der Schutzwald braucht das Engagement aller

Mitglieder des Bergwaldforums stellen den ersten Erfolg, die Weideneuregelung, der Öffentlichkeit vor. © Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weilheim i. OB

Damit sich der Wald an den Klimawandel anpassen und seine Schutzfunktion weiterhin wahrnehmen kann, muss er darauf ­vorbereitet werden. In so genannten Bergwaldforen ­entwickeln VertreterInnen von Forst, Jagd ­und Tourismus gemeinsam Massnahmen. In ­länderübergreifenden Lehrgängen in Bayern und Tirol werden die Erkenntnisse vertieft.
Oberammergau, der weltberühmte Passionsspielort, liegt idyllisch in den oberbayerischen Ammergauer Alpen in Deutschland. Neben dem steil aufragenden Felsenfinger des Kofels prägen Weideflächen und Bergwälder die Landschaft rund um die Ortschaft. Wildbäche wie die Grosse Laine fliessen der Ammer entgegen. Die schöne Landschaft gehört zum touristischen Potential der Gemeinde. Doch birgt sie auch alpine Naturgefahren, denen die Oberammergauer ohne Schutzwald und Wildbachmanagement ungeschützt ausgeliefert wären. Wie in vielen anderen Orten auch sind den meisten Einheimischen und Touristen die Leistungen des Berg- und Schutzwaldes nicht bewusst.
Die für den Alpenraum prognostizierten Auswirkungen des Klimawandels führen dazu, dass Förster und Waldbesitzer ihre Anstrengungen intensivieren, um den Wald auf die Veränderungen vorzubereiten. Im bayerischen Klimawandelprogramm 2020 wurde dafür die Bergwaldoffensive (BWO) gestartet. Die Einbindung von Betroffenen in die Projekte ist dabei erklärtes Ziel. Damit dies gelingt und der Schutzwald auch zukünftig seine Funktion erfüllen kann, braucht es die gemeinsame Anstrengung aller Bergwaldnutzer.

Abgestimmtes Vorgehen
Die Neugierde war gross, als das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weilheim 2009 mit Unterstützung eines Interreg-Projektes zum ersten Treffen des Bergwaldforums Oberammergau einlud (siehe Kasten). Es kamen neben Bürgermeistern und Gemeinderäten, Vertretern der Grundeigentümer, der Almhirtschaft, der Jagdgenossen und Jägern auch Behörden, Vertreter des Tourismusverbandes und des örtlichen Bund Naturschutzes. «Eigentlich hatte ich nur eine der üblichen Informationsveranstaltungen erwartet, aber hier werden wir wirklich gefragt, was wir wollen!» lautete eine typische Aussage am Ende der ersten Sitzung, als gemeinsam das weitere Vorgehen im Bergwaldforum festgelegt wurde. In den drei Arbeitsgruppen Jagd, Weide sowie Tourismus/Naturschutz wird weiterhin intensiv gearbeitet; die Ergebnisse werden regelmässig in Sitzungen des Forums zusammengetragen, aufeinander abgestimmt und das weitere Vorgehen wird vereinbart. 2010 konnte ein erster Erfolg gefeiert werden: Die Weideneuordnung im Laber-Aufacker-Gebiet war auf die Wege gebracht worden.
Bürgermeister Arno Nunn zieht ein positives Fazit: «Die Diskussionen im Bergwaldforum machen die Zielkonflikte der einzelnen Gruppen deutlich. So wird das gegenseitige Verständnis erst möglich. Jetzt können wir gemeinsam die Herausforderungen anpacken!»

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Nachhaltiges Berg- und Schutzwaldmanagement
Das Intterreg-IVa-Projekt «Schutzwaldplattformen/-foren in Tirol und Bayern» der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, der Landesforstdirektion Tirol und des Lehrstuhls für Wald- und Umweltpolitik der Technischen Universität München begleitet und unterstützt Tiroler Schutzwaldpartnergemeinden und bayerische Bergwaldforen über die deutsch-österreichische Landesgrenze hinweg. Ziel des Projekts ist es, nachhaltig wirksame Beteiligungsformen und -verfahren für das Berg- und Schutzwaldmanagement zu identifizieren und zu verbreiten. Dies geschieht z.B. durch ein Weiterbildungsangebot für BegleiterInnen solch partizipativer Verfahren. 2012 findet bereits der dritte länderübergreifende Lehrgang in Tirol statt. Der Lehrgang wurde mit dem Alpinen Schutzwaldpreis 2011 der ARGE Alpenländische Forstvereine ausgezeichnet.
www.lwf.bayern.de

aus: Szene Alpen Nr. 96 (www.cipra.org/de/alpmedia/publikationen/4960)