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Eine intakte Umgebung inspiriert auch die Menschen

Landschaften werden als attraktiver beurteilt, wenn deren ökologische Funktion intakt und bekannt ist. Ein neues Projekt geht nun der Frage nach, ob dies auch auf ökologische Vernetzung zutrifft - und ob daraus ein Nutzen für das Landschaftserlebnis, die Erholung und die regionale Wirtschaft gezogen werden kann.
Natürliche Ökosysteme liefern dem Menschen eine Vielfalt an Nutzen. Diese so genannten "Ökosystemdienstleistungen" können Produkte wie Trinkwasser und Nahrung, Prozesse wie Bestäubung und Abfallabbau, aber auch immaterielle kulturelle Leistungen wie geistige Bereicherung, Reflexion und Erholung umfassen. Ein gut funktionierendes Ökosystem liefert in der Regel bessere Produkte und Prozesse als ein schlecht funktionierendes.
Eine neue Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Birmensdorf/CH zeigt auf, dass in einem intakten Ökosystem auch die kulturellen Ökosystemdienstleistungen besser sind. Die Studie namens BiodiverCity ging der Frage nach, weshalb Menschen naturnahe Orte aufsuchen und Freizeitaktivitäten ausüben und welche Art von Landschaft sie bevorzugen. Die Resultate machen deutlich, dass mit dem Aufenthalt in der Natur drei Hauptbedürfnisse befriedigt werden: Geselligkeit, Erholung und Inspiration. Dabei wünschen sich die Leute die Erfüllung von mehr als nur einem dieser Bedürfnisse. Dies bedingt, dass die Menschen Zugang zu vielen unterschiedlichen naturnahen Räumen haben.

Ökologischer Wert ist attraktiv - wenn man davon weiss
Wie aber bringt uns das Erleben eines gut funktionierenden ökologischen Netzwerks einen direkten immateriellen Zusatznutzen? Im Allgemeinen ist für uns Menschen die ökologische Vernetzung unsichtbar, abstrakt und nicht konkret erlebbar. Die Vernetzung beeinflusst das Landschaftserlebnis allenfalls dank der mit ihr einhergehenden strukturellen Vielfalt. Diese vermittelt dem Menschen einen immateriellen Nutzen. Gerade im Alpenraum ist dieser immaterielle Nutzen ökonomisch relevant, wird doch im Alpentourismus das Erleben einer Kulturlandschaft mit seiner oft noch vorhandenen traditionellen Kleinteiligkeit als besonders attraktiv empfunden und vermarktet.
Strukturelle Vielfalt bedeutet aber nicht zwangsläufig ökologische Vernetzung. Der Schlüssel liegt im Erkennen des (versteckten) ökologischen Wertes: Eine Landschaft wird als attraktiver beurteilt im Wissen, dass es sich um ein besonders gut funktionierendes Ökosystem handelt. Entsprechend ist zu erwarten, dass ökologische Vernetzung für den Menschen nur dann einen immateriellen kulturellen Nutzen hat, wenn er davon weiss. Möchte man also aus der ökologischen Vernetzung auch einen Nutzen für Landschaftserlebnis, Erholung und Tourismus ziehen, braucht es nicht nur Vernetzungsmassnahmen, sondern auch begleitende Kommunikationsarbeit.

Theorie in der Praxis überprüfen
Das soeben gestartete Grossprojekt Enhance der WSL, der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasser-reinigung und Gewässerschutz (Eawag) und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) wird aufzeigen, ob diese theoretischen Annahmen auch in der Realität zutreffen. Es wird untersucht, welchen Nutzen ökologische Vernetzung nicht nur für die Natur, sondern für das Landschaftserlebnis, die Erholung und schliesslich für die regionale Wirtschaft bringt - und mit welchen Massnahmen dieser Nutzen möglichst gross wird.

Robert Home und Marcel Hunziker
Sozialwissenschaftliche Landschaftsforschung, WSL/CH