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Von Industriestandort zum Mekka für Kajakfahrer und Eiskletterinnen

Rafting

Neue Neuorientierung der ehemaligen Industriegemeinde Argentière-la-Bessée geht in die Richtung Nationalparktourismus, der unzählige Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten bietet. www.sxc.hu

Die Alpenwoche fand nicht zufällig in der französischen Gemeinde Argentière-la-Bessée statt. Das Gebiet Pays des Ecrins demonstriert, wie Innovationen auf lokaler oder regionaler Ebene konkret aussehen können.
Während Argentière-la-Bessée früher weitgehend von der Aluminiumindustrie abhing, musste sich die Gemeinde nach dem Niedergang dieses Industriezweigs Ende der 80er-Jahre neu orientieren. Nichts verdeutlicht den Wandel besser als die wechselnden Namen im Volksmund. Zu Zeiten der florierenden Aluminiumindustrie in den 70er-Jahren kannte man den Ort auch unter dem Namen Argentière-la-Noir (die Schwarze) in Anspielung auf die massiv verschmutzte Umwelt. Ende der 80er-Jahre, als die Industrie in die Krise rutschte und die Gemeinde rund ein Viertel ihrer Einwohner und Einwohnerinnen einbüsste, kursierte der Name Argentière-la-Blessée (die Verletzte). Mitte der 90er-Jahre entstand der Slogan "Argentière, Tor zum Hochgebirge" und der Bahnhof wurde mit Argentière-les-Ecrins beschildert. Darin spiegelt sich der Wandel hin zu naturnahem Tourismus und nachhaltiger Entwicklung, der Nationalpark Les Ecrins und die vielfältige alpine Natur rückte in den Fokus.

Ein Land der Gegensätze
Argentière und das Pays des Ecrins sind seit jeher geprägt von starken Gegensätzen und fortlaufendem Wandel. Dies erwies sich immer wieder als befruchtend für Innovationen. Geografisch treffen im Pays des Ecrins die französischen Südalpen (Provence-Alpes-Côte-d'Azur) und Nordalpen (Rhône-Alpes) aufeinander, die italienische Grenze ist nah und auch historisch war hier eine wichtige Grenze zwischen dem Embrunais und dem Briançonnais. Hinzu kommen unterschiedliche wirtschaftliche Ausrichtungen: Tourismus, beispielsweise in Vallouise und Freissinières, und Industrie/Gewerbe im Tal der Durance. Im Tourismus wiederum gibt es verschiedene Ausprägungen: Auf der einen Seite die grosse Wintersportdestination Puy-Saint-Vincent, auf der anderen Seite der Nationalparktourismus.
Auch der Austausch von Einheimischen mit Reisenden und Zugezogenen führt immer wieder zu neuen, kreativen Ideen. Waren es früher beispielsweise Handelsreisende oder Kirchenbaumeister, so sind es heute Touristinnen oder Saisonniers, welche in die Gegend kommen. Zudem engagiert sich Argentière auch gezielt für einen Austausch von Ideen und organisiert Konferenzen und Veranstaltungen zu verschieden Themen, partizipiert an Netzwerken wie "Allianz in den Alpen" oder nutzt Kooperationsmöglichkeiten, wie sie das europäische Programm zur territorialen Zusammenarbeit (INTERREG) bietet. Argentière entwickelt gute Ideen, importiert solche und gibt sie aber auch weiter.

Naturnaher Tourismus als neue Chance
Nach dem Niedergang der Industrie entdeckte Argentière den bereits in den 70er-Jahren gegründeten Nationalpark vor seiner Tür und die grandiose Bergwelt neu. Schnell erkannte man nun Potenziale und Möglichkeiten. Von hier aus verbreiteten sich Klettersteige in den französischen Alpen, hier entstand ein nationales Ausbildungszentrum für Wildwasserfahren, hier trifft sich die Eiskletter-Elite, hier findet man ein Sportkletter-Eldorado, hier kommen Wanderer und Naturliebhaberinnen auf ihre Kosten. Aber auch das kulturelle Erbe wurde neu in Wert gesetzt: die historischen Silberminen, alte Industriekomplexe, der Weinbau, das regionale Handwerk. Und die Gemeinde, in welcher viele unterschiedliche Akteure und Netzwerke gemeinsam am selben Strang ziehen, ist Vorreiterin bei Natura2000-Initiativen, lokalen Agenda21-Prozessen. Umweltbildung wird vielfach direkt in das breite Angebot sportlicher Ausbildungsmöglichkeiten eingebunden. Der Begriff der Nachhaltigen Entwicklung ist hier keine leere Worthülse.
Das chinesische Schriftzeichen für Krise setzt sich aus den Zeichen für Chance und Katastrophe zusammen. Argentière liegt nicht in China, aber die Gemeinde hat es verstanden, die Krise des industriellen Niedergangs nicht zur Katastrophe auswachsen zu lassen, sondern bestehende und sich eröffnende Chancen zu nutzen!