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Barrieren überwinden, Lebensräume wieder vernetzen!

Jagdschutzverband stellt umfangreiche Planungshilfen im Internet zur Verfügung
In Deutschland werden allein mit Kraftfahrzeugen jährlich 872.300.000.000 Kilometer zurückgelegt – Tendenz steigend. Bildlich gesprochen wird damit jeder einzelne Quadratkilometer der Bundesrepublik täglich 1.600 mal von einem Fahrzeug umrundet. Die fortschreitende Zerschneidung der Landschaft durch Europas dichtestes Straßennetz ist eine der größten Gefahren für den Fortbestand wildlebender Tiere, teilte der Deutsche Jagdschutz-Verband (DJV) heute in Bonn mit. Nicht ausreichend berücksichtigt werde diese Barrierewirkung allerdings bei der derzeitigen Verkehrs- und Raumordnungsplanung.
In einem bisher bundesweit einmaligen Projekt hat der DJV zusammen mit ausgewiesenen Fachleuten jetzt umfassende Planungshilfen für eine tierfreundliche Verkehrsinfrastruktur erarbeitet. Diese sollen künftig eingesetzt werden, um zu entscheiden, wo und wie Wildtiere vom Käfer bis zum Hirsch die Barriere Verkehrsweg erfolgreich überwinden können. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat das Projekt mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt und Reaktorsicherheit (BMU) unterstützt und gefördert.
„Die jetzt verfügbaren Anleitungen und Checklisten versetzen uns in Deutschland erstmals in die Lage, Querungshilfen für Wildtiere nach einheitlichen Standards zu planen“, sagte DJV-Präsident Jochen Borchert. „Wir fordern die Bundesregierung auf, diese einzusetzen und möglichst bald vorrangige Standorte für Querungshilfen in Deutschland auszuweisen.“ Unabdingbar sei ein klar beziffertes Durchführungs- und Finanzierungsprogramm als unverzichtbarer Beitrag zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt.
Auf seiner Internet-Seite www.jagdnetz.de stellt der DJV ab sofort zur Verfügung:
• Anleitungen zur Anlage von Querungshilfen (Grünbrücken, Durchlässe etc.)
• Checklisten zur Durchführung von Umweltverträglichkeitsprüfungen
• bioökologische Grundlagen zur Planung, insbesondere ein Kompendium zur Wirkung von Barrieren und Daten zur Mobilität von zahlreichen Tierarten
• Vorschläge zur bundesweiten Wiedervernetzung von Lebensräumen
• neue Betrachtungen zur bioökologischen Funktion großer Säugetiere
Die wenigsten Barrierewirkungen von Verkehrswegen sind direkt erkennbar. Offensichtlich ist zwar die große Zahl von Verkehrsunfällen mit Rehen, Wildschweinen und Hirschen pro Jahr (2007: 220.000 Wildunfälle) oder die hohe Zahl überfahrener Wildkatzen und Luchse. Langzeitwirkungen hingegen fallen weniger ins Auge, sind aber umso dramatischer. Denn Verkehrswege können Tiere von der Außenwelt isolieren und den langfristigen Austausch von Genen erhindern. Die Folge: Ganze Wildtierpopulationen – vom Insekt bis zum Säugetier – sind in ihrem Fortbestand gefährdet.
Quelle: Deutscher Jagdschutzverband