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Standpunkt: Wasser braucht keine Grenzen – und wir?

Marion Ebster, Projektleiterin «Natur und Mensch» bei CIPRA International (c) Caroline Begle

Bislang ist ausreichend Wasser in den Alpenregionen verfügbar. Damit es trotz Klimawandel auch in Zukunft für alle reicht, muss Wasser über Ländergrenzen hinweg als alpines Gemeingut behandelt werden, findet Marion Ebster, Projektleiterin bei CIPRA International.

Wasser ist per se ständig in Bewegung und kennt keine Grenzen. Die jahreszeitlichen Abflussmengen sind sehr unterschiedlich. Dies führt im dicht gedrängten, multinationalen Alpenraum zu grossen Herausforderungen. Der Bedarf an grenzüberschreitender Abstimmung im Alpenraum wächst mit steigenden Temperaturen, die politische Bereitschaft dazu hingegen nicht – was die anspruchsvolle Auseinandersetzung mit Verteilungs- und Nutzungskonflikten zusätzlich erschwert. Doch genau das brauchen wir im Alpenraum: den Einbezug aller Beteiligten und Betroffenen zur Organisation der Nutzung und Verteilung von Wasser unter den verschärften Bedingungen des Klimawandels – und zwar über Grenzen hinweg. Wasser als Gemeingut muss stärker im Bewusstsein der Institutionen und der Bevölkerung verankert werden. Es gibt bereits gute Ansätze in diese Richtung.

Mitte Februar 2020 lud die französische Präsidentschaft der Alpenkonvention zu einer internationalen Wasserkonferenz. Auch sie thematisierte den Bedarf nach einem optimierten Wassermanagement im Alpenraum und die Zunahme an Nutzungskonflikten. Ein dort präsentiertes, Best-Practice-Beispiel ist das integrierte Einzugsgebietsmanagement des Inns im Unterengadin/CH auf einer Fläche von 2´000 Quadratkilometern mit fünf Gemeinden und 7´900 EinwohnerInnen. Ein langer und schwieriger Prozess führte dazu, dass ein Aktionsplan für diese partizipative Art des Wassermanagements von den Gemeinden vor Ort angenommen wurde. Insgesamt hat der Inn jedoch eine Länge von 517 Kilometern und ein Einzugsgebiet von 26´000 Quadratkilometern – das würde allerdings ein integriertes Wassermanagement über drei Länder hinweg erfordern.

Trotz aller Schwierigkeiten muss die Beteiligung der betroffenen Bevölkerung in komplexen Fragestellungen des Wassermanagements auch grenzüberschreitend angegangen werden. Hier spielen transnationale Institutionen eine zentrale Rolle: Sowohl die EU mit ihrer Wasserrahmenrichtlinie als auch die Alpenkonvention mit ihrem Klimazielsystem 2050 müssen partizipatives und grenzüberschreitendes Wassermanagement noch vehementer einfordern. Ansonsten laufen sie Gefahr, eines der grössten Themen der kommenden Jahrzehnte und damit die vielleicht letzte Gelegenheit zum nachhaltigen und gerechten Umgang mit Wasser als einer unserer wichtigsten Ressourcen zu versäumen.