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Standpunkt: Wir brauchen ein Alpenticket für öffentliche Verkehrsmittel

Rok Brišnik, Mitglied des CIPRA Jugendbeirates (c) privat

Homeschooling, kein Bus- und Bahnverkehr, geschlossene Grenzübergänge: Die Corona-Krise hat genau jene Lebensbereiche lahmgelegt, denen wir bisher vielleicht zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben. Ein alpenweites Ticket für den öffentlichen Verkehr könnte viele dieser Probleme lösen, meint Rok Brišnik. Er studiert Geografie und Geschichte an der Universität Ljubljana/SI und ist Mitglied des CIPRA-Jugendbeirats (CYC).

Geschlossene Schulen haben uns gezeigt, wie wichtig die Jugend für unsere Zukunft sind. Der vorübergehende Ausfall öffentlicher Verkehrsmittel hat sichtbar gemacht, dass ohne sie ein Verkehrschaos entsteht. Als Grenzen dicht gemacht wurden, haben wir erst bemerkt, wie wichtig uns Mobilität über nationale oder regionale Grenzen hinaus ist. Das Alpenticket oder «AlpTick» beinhaltet alle drei Aspekte. Alptick ist ein CYC-Projekt, bei dem wir ein überregionales Jugendticket für den öffentlichen Personenverkehr entwickeln.

Es könnte über seinen primären Zweck als Fahrschein hinaus wirken und würde jungen Menschen zeigen, dass sie ein wichtiger Teil der nachhaltigen Verkehrspolitik der Zukunft sind. Es würde Jugendliche, die sich für nachhaltige Entwicklung einsetzen, aktiv in den öffentlichen Verkehr einbeziehen. Derzeit nutzen sie ihn wenig, weil er oft zu teuer, zu kompliziert und zu unflexibel ist. Ein AlpTick könnte das ändern und würde nicht nur begeisterte junge EuropäerInnen miteinander verbinden. Es würde auch alpine Regionen und Länder miteinander verbinden. Im Moment gibt es in Europa kein Ticket, das eine bestimmte Makroregion wie den Alpenraum verbindet. Die Alpen haben deshalb die einzigartige Chance, europaweit die erste Makroregion mit einem einzigen Ticket für den öffentlichen Verkehr zu werden. Das würde dem AlpTick vor dem Hintergrund politischer Bemühungen für mehr Nachhaltigkeit auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene enormes Gewicht verleihen. Aber ein Gebiet miteinander zu verbinden, das sich über sieben Länder erstreckt, ist nicht einfach: Eine Vielzahl von Verkehrsunternehmen, nicht aufeinander abgestimmte Fahrpläne und unterschiedliche mobile Apps machen diese Aufgabe schwierig. Deshalb müsste die Vereinheitlichung Bottom-Up, also von unten kommen. Kleine Schritte in diese Richtung setzt LinkingAlps, ein Projekt zur Fahrplanintegration zwischen Grenzregionen in Italien und der Schweiz. Einheitliche Fahrpläne würden bedeuten, dass es nur noch eine einzige mobile App für den öffentlichen Verkehr in den Alpen bräuchte – derzeit hat jedes Alpenland seine eigene. Zum Vergleich: In der Schweiz nutzen mehr als 90 Prozent der Bevölkerung eine Ticket-App, in Slowenien nur ein Zehntel. Neben dem Fahrplan könnte die App auch ein Online-AlpTick enthalten.

AlpTick ist auf einem guten Weg, doch aufgrund der Grösse des Vorhabens ist der CYC die vielschichtige Einbindung des Tickets in kleinerem Massstab angegangen. Das AlpTick ist mehr als nur ein Ticket für den öffentlichen Verkehr. Es ist eine Chance, die Alpen, den öffentlichen Verkehr, die Jugend besser miteinander zu verbinden. Und so sollten es auch alle Beteiligten sehen. Die einzige Frage ist jetzt: Wie und wann werden Sie Teil dieser verbindenden Geschichte?