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Medienmitteilung

Nachhaltig heisst: Kein solches Olympia

Pioniergeist bedeutet heute für die Schweiz, den ökologischen Fussabdruck wir-kungsvoll zu vermindern. Und mit den eigenen Ressourcen so umgehen, dass die nächsten Generationen mit der ganzen Welt ebenfalls gut weiterleben können. Alles andere ist ein Etikettenschwindel, so wie die geplanten Olympischen Winterspiele in Graubünden 2022 es auch sind. Für nachhaltige Winterspiele braucht es einen Richtungswechsel. Davon ist das Internationale Olympische Komitee (IOC), das die Bedingungen diktiert, weit entfernt.

Runde drei Generationen nach den letzten Olympischen Winterspielen 1948 in St. Moritz sollen sie dort 2022 wiederum stattfinden. Damals war es sicher noch Pioniergeist, den Anlass zu organisieren, weil auch die Dimensionen und der Olympische Geist noch über-einstimmten. Dennoch übernahm sich der Luxusort St. Moritz und musste schmerzvoll Schulden abzahlen. Und was hat sich bis heute verändert? Vor allem die Dimensionen, die Nachhaltigkeit und der Geist. 

Nur eine Marketingidee
Olympische Winterspiele sind um das Vielfache grösser geworden. Immer mehr Nationen, das Vielfache an Sportlern, viel mehr Wettbewerbe und eine deutlich längere Dauer. Dazu Tausende von Funktionären, freiwillige Helfer und Sicherheitskräfte, Massen von Zuschauern, Tausende von zusätzlichen Betten, überdimensionierte Infrastrukturen und aufgeblähte Budgets. Besonders für die Durchführungsorte verbleiben Umweltschäden sowie gigantische Schulden und Unterhaltskosten von Anlagen. Die Eingriffe in die Natur haben sich deutlich sichtbar verstärkt, der Energiebedarf für Anlagen und für die Mobilität vervielfacht. Damit hat sich auch der ökologische Fussabdruck, den solche Riesenanlässe hinterlassen, stetig und massiv vergrössert.

Und ausgerechnet damit wollen nun die Verantwortlichen den Nachhaltigkeitsglanz für die Schweiz aufpolieren, mit «Graubünden 2022 – einer Charta für Nachhaltigkeit, Innovation und Vermächtnis». Die Absicht, eine Vision der Nachhaltigkeit für den ganzen Kanton Graubünden zu erarbeiten, ist zu begrüssen. CIPRA-Präsident Dominik Siegrist sagt dazu deutlich: «Dass sie ausgerechnet jetzt, wo eine Olympia-Kandidatur ansteht, präsentiert wird, ist wohl eher eine Marketingidee als eine ernsthafte und glaubwürdige Absicht.»

Keine drei Säulen der Nachhaltigkeit
Siegrist, Professor für naturnahen Tourismus und Pärke an der Hochschule Rapperswil, ergänzt: «Eine griffige Nachhaltigkeitsstrategie für Graubünden ist unabhängig einer Kandidatur erwünscht» − und wird von den Umweltorganisationen seit Jahren gefordert. Und weiter: «Die vorliegende Nachhaltigkeitsvision lässt quantifizierte Wirkungsziele vermissen. So wird darin beispielsweise eine ‚wesentliche Senkung des ökologischen Fussabdrucks‘ für ganz Graubünden bis zu den Winterspielen vorgeschlagen?

Was heisst das nun konkret: etwa 30 Prozent bis 2022 und 80 Prozent bis 2050? Es bräuchte eine klare Orientierung an bekannten Standards, wie beispielsweise eine ‚2000-Watt-Gesellschaft‘. Ich erinnere daran: Wenn wir nachhaltig werden wollen, brauchen wir eine CO2-Reduktion von 80 bis 95 Prozent», verdeutlicht Siegrist. Der ganze zusätzliche Verkehr, die Flugreisen etc. zu Olympischen Winterspielen in Graubünden, der Bau von festen Anlagen, Auf- und Abbau von temporären Infrastrukturen erhöhen den Fussabdruck deutlich. Eine wirkliche Nachhaltigkeitsstrategie zeigt messbare Wirkungen auf, schöne Visionen und Ziele allein genügen keinesfalls. Soweit zur ökologischen Nachhaltigkeit.

Verhindert echte Innovation
Wie steht es nun mit der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit? Olympische Winterspiele wie Graubünden 2022 führt auch hier grosse Schritte weg vom Pfad eines nachhaltigen Tourismus‘. Mit der beabsichtigten Werbewirkung auf dem globalen Markt, der Ausrichtung auf neue Kundschaften in Schwellenländern wie etwa China, Indien oder Brasilien wird ein energie- und kapitalintensiver Tourismus gefördert, der keine langfristige Option ist.

Die erwarteten Arbeitsplatzeffekte von Olympischen Spielen haben sich jeweils nicht eingestellt. Für echte Innovationen zu nachhaltigem Tourismus fehlen dann hingegen die Finanzen. Mehrere Milliarden Franken werden eingesetzt für zwei Wochen olympisches Feuer. Zurück bleibt für St. Moritz, Davos, Graubünden und die Schweiz ein riesiger Schuldenberg und dazu noch Umweltschäden. Das zeigen die Erfahrungen der letzten Winterspiele und die Voraussagen für die zwei nächsten. Die Höhe des Defizits bestimmt letztlich das Internationale Oympische Komitee IOC, das die Bedingungen diktiert und verändert ohne selber ein Risiko zu tragen. Wer wirtschaftlich nachhaltig rechnet, investiert unter diesen ungewissen Voraussetzungen und unglaublichen Abhängigkeiten nicht.

Und die soziale Nachhaltigkeit? Die Defizite führen dazu, dass die Finanzen für die bedeutenden anstehenden Herausforderungen fehlen: Sozialwerke, Jugend und Bildung, Kultur oder Breitensport als einige Beispiele. Letztlich überlässt diese Generation mit Olympischen Winterspielen 2022 in Graubünden den nächsten Generationen auch noch den Schuldenabbau.

Die CIPRA, die sich seit über 60 Jahren einsetzt für das Leben und eine nachhaltige Entwicklung in den Alpen, spricht sich für die Gestaltungsfreiheit unserer Jugend in den Alpen aus und damit klar gegen solche Olympischen Winterspiele 2022 in Graubünden.


Rückfragen bitte an:

Bruno Stephan Walder, Geschäftsführer CIPRA International, eMail, +41 (0) 78 844 19 53


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