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Wir sind Teil der Vielfalt

Maya Mathias, Projektleiterin bei CIPRA International. (c) Caroline Begle

Wenn Menschen mit unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Hoffnungen aufeinandertreffen, muss das Zusammenleben neu ausgehandelt werden. Integration betrifft Alpenpolitik, Gemeinden und Bevölkerung gleichermassen, findet Maya Mathias, Projektleiterin für Soziale Innovation bei CIPRA International.

Viele Menschen suchten in den letzten Jahren Schutz vor Krieg und Gewalt in den Alpen – eine Herausforderung für Behörden, Gemeinden, AnwohnerInnen und Betroffene. Inzwischen ist die mediale Aufmerksamkeit abgeflaut, die Erstversorgung ist vielerorts bewältigt, Aufenthaltsgenehmigungen sind ausgestellt. Doch die Aufgabe der Integration beginnt erst. Wie können Vorurteile auf beiden Seiten abgebaut werden? Wer finanziert Sprachkurse und Ausbildung? Wie gelingt der Einstieg in den Arbeitsmarkt? Die ganze Gesellschaft ist gefragt – von der Gemeinde über Regionen bis Bundesstaaten, von Sozialwerken über Bildung und Wirtschaftsförderung bis hin zu jedem Einzelnen.

Migration und Vielfalt sind Querschnittsthemen – sie spielen in viele Politikbereiche hinein. In der Alpenpolitik hat das Thema bisher wenig Aufmerksamkeit gefunden, stattdessen schlägt es vor allem national hohe Wellen. Die Alpenkonvention hat 2006 eine Deklaration zu «Bevölkerung und Kultur» verabschiedet, um die kulturelle Vielfalt in den Alpen zu erhalten und zu fördern. Es ist höchste Zeit, diese Ziele und Massnahmen umzusetzen und soziale Aspekte auch in andere Politikbereiche einfliessen zu lassen. Nachhaltige Entwicklung muss schlussendlich von der Gesellschaft getragen werden. Auch bei der Zusammenarbeit der Alpenregionen in der Europäischen Strategie der Alpen müssen Migration und Vielfalt berücksichtigt werden. Sie haben Auswirkungen auf das soziale Gefüge, den Arbeitsmarkt und die politischen Rahmenbedingungen.

Wie erhalten Zugezogene notwendige Informationen für das Leben in der neuen Umgebung? Wo gibt es Wohnungen, stehen Schulen und Arbeitsplätze zur Verfügung? Wo kommen Menschen miteinander in Kontakt? Städte und Gemeinden sind der Ort, wo Integration passiert – oder eben nicht. Zahlreiche Städte und Gemeinden in den Alpen gehen in Sachen Integration voran: Mit Informationskampagnen, Räumen und Veranstaltungen für Begegnung oder durch Bildungsmassnahmen. Diese Arbeit ist wichtig, denn eine vielfältige und offene Gesellschaft ist kein Zustand, sondern ein andauernder Prozess.

Genauso ist jede und jeder gefragt, sich in die Gemeinschaft vor Ort einzubringen. Integration ist ein sozialer Aushandlungsprozess, den wir alle mit beeinflussen können. Die Gesellschaft verändert sich, ob wir es wollen oder nicht. Wir sind Teil davon. Die Frage ist, wie wir mit Veränderung umgehen.

www.cipra.org/de/publikationen/szenealpen-nr-105-komm-wir-gehen-bleib-wir-kommen