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Spurenarm unterwegs

24.11.2021
Wie hinterlassen wir möglichst wenig Spuren am Weg in die Berge und vor Ort? Rund 150 Teilnehmende reisten am 22. November 2021 während einer Online-Konferenz virtuell durch die Alpen und tauschten sich über Massnahmen zur Besucherlenkung in sensiblen Naturräumen aus.
Bild Legende:
Rafting im slowenischen Soča-Tal: Erlaubnisscheine regeln den Andrang vor Ort. (c) Dolina Soče

Fotos auf Social Media machten die kleine Ranui-Kirche im Südtiroler Vilnösstal urplötzlich zum begehrten Fotomotiv für Gäste aus aller Welt – zu viele für das enge Tal. Abhilfe schafft nun ein Drehkreuz mit Zahlstelle sowie ein Fotopoint. Die Strasse zur Kirche wurde gesperrt und ein Wanderparcours angelegt. Parkgebühren werden eingehoben, öffentliche Busse fahren im Stundentakt ins Tal, zusätzlich informiert eine Broschüre in englischer und chinesischer Sprache.

Auch im slowenischen Soča-Tal und am gleichnamigen Fluss hat sich der Tourismus innerhalb der letzten Jahre rasant entwickelt. «Wir haben sehr viel von unseren Fehlern in der Vergangenheit gelernt», sagt Tourismusdirektor Viljam Kvalič. Ob Rafting, Fischen, SUP oder Canyoning: Um die Natur vor Ort nicht zu überlasten, müssen Gäste nun je nach Sportart oder Aktivität Erlaubnisscheine erwerben, die sie an Zu- und Ausfahrtsstellen vorweisen.

Unterwegs im digitalen Raum

«Bei allem guten Willen kann Besucherlenkung an Grenzen stossen», meint Carolin Scheiter vom Nationalpark Berchtesgaden/D. Eine bekannte Influencerin hatte ein Foto und einen Drohnenflug über dem «Natural Infinitypool» beim Königsbachfall mitten im Schutzgebiet gepostet. Hunderte Besucher:innen täglich vermüllten und zertrampelten die Vegetation. Der Nationalpark stellte Hinweisschilder auf, startete eine Social-Media-Kampagne, postete Videoclips, sprach Leute direkt an. «Likes hat uns das ganz viele gebracht, aber funktioniert hat das im Gelände nicht. Schlussendlich haben wir ein Betretungsverbot eingeführt», so Scheiter.

Auf Digitale Ranger setzt der Naturpark Nagelfluhkette, Florian Heinl ist einer von ihnen. Er spricht User auf problematische Postings an. Der nächste Schritt wären automatisierte Ranger und Chat-Bots, die erklären, warum man eine Tour beispielsweise zu einer bestimmten Zeit nicht machen sollte. Daran arbeitet der Naturpark gemeinsam mit der Initiative «Digitize the Planet» und der Uni Bayreuth. «Es ist sehr aufwändig, aber wir werden uns immer mehr online bewegen müssen», meint Heinl.

Über das Projekt speciAlps2

Die Veranstaltung «Spurenarm unterwegs» war das erste internationale Austauschtreffen im Rahmen des alpenweiten Projekts speciAlps2, in dem vier Pilotregionen Massnahmen zur Besucher:innenlenkung testen: Naturpark Tiroler Lech/A, Steiner und Sanntaler Alpen/SL, Bergsteigerdorf Balme/I und Bad Reichenhall/D. Das Projekt wird getragen von CIPRA International und dem Gemeindenetzwerk Allianz in den Alpen. Es wird ermöglicht durch das Deutsche Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU).