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Weniger Schnee, mehr Schulden

Bautätigkeiten im Skigebiet von Zermatt/Cervinia für die höchste Dreiseilbahn der Welt. © Zermatt Bergbahnen AG

In Scuol/CH kann das Skigebiet in höhere Lagen erweitert werden. Die Behörden gaben letzte Woche grünes Licht. Im ganzen Alpenraum setzen Bergbahnbetreiber auf den Ausbau ihrer Skigebiete. Doch die Aussichten auf Schnee sind miserabel.

Die folgende Aufzählung hat einen Fehler: mehr Pistenkilometer, mehr Transportanlagen, mehr Geld, mehr Schnee. Verschiedene Studien beweisen, dass die Anzahl an Tagen mit Schneebedeckung pro Saison kontinuierlich abnimmt. Trotzdem investieren Skigebiete kräftig in ihre Infrastruktur. Eine Skischaukel hier, eine Gondel dort, ein neuer Sessellift da und neue Pistenkilometer dazu.

Fast beliebig viele Beispiele finden sich aktuell im Alpenraum: In Kaprun/A bauen die Seilbahnbetreiber ab April 2018 zwei neue Bahnen, um die beiden Hausberge miteinander zu verbinden. Das Skigebiet Scuol/CH kann in höhere Lagen erweitert werden; die Behörden haben vor einigen Tagen die nötigen Anpassungen im Richtplan angenommen. Das ebnet gleichzeitig den Weg für den Zusammenschluss mit der grenzüberschreitenden Skiarena Ischgl-Samnaun. In Samnaun werden gleich vier neue Anlagen geplant, die das Gebiet um 80 Hektar vergrössern. Im Skigebiet Saalbach-Hinterglemm-Leogang–Fieberbrunn in Österreich gibt es eine neue Kabinenbahn und eine neue Piste. Die Verbindung mit dem Gebiet Schmittenhöhe über Zell am See steht bevor. Der Entscheid über den spektakulären Zusammenschluss der Gletscherskigebiete Pitztal und Sölden wird Anfang 2018 erwartet. In Frankreich haben Investoren 350 Millionen Euro bestätigt, um die Skigebiete Alpe d’Huez und Les Deux Alpes zu verbinden. 475 Pistenkilometer entstehen so. Die Behörden im italienischen Aosta-Tal ermöglichen eine Verbindung zwischen Monterosa Ski und Zermatt/Cervina. Eine elf Kilometer lange Verbindungsbahn über eine bisher unberühte Landschaftskammer in Italien muss dafür gebaut werden, ein Investor wird noch gesucht.

Ein negatives Signal kam letzte Woche aus Deutschland: Der bayerische Landtag hat die Änderung des Alpenplans genehmigt. Eine jahrelange Diskussion über den skitechnischen Ausbau am Riedberger Horn hat somit vorerst ein Ende gefunden. Stefan Witty, Geschäftsführer von CIPRA Deutschland, berichtet darüber im Beitrag «Dammbruch in der Raumplanung».

Den Überblick zu behalten ist schwierig; die Liste scheint endlos: Hochzillertal und Spieljoch, Andermatt und Sedrun, Snow Space Salzburg und Zauchensee-Kleinarl, Maiskogl und Kitzsteinhorn. Überall wird gebaut. Werner Bätzing, Experte für Alpenforschung, resümiert: «Der Wettbewerb um die weniger werdenden Skifahrer wird immer mörderischer.» Er gehe zu Lasten der kleinen und mittleren Skigebiete. «Es ist zu erwarten, dass in 20 Jahren alpenweit nur noch wenige sehr grosse und hoch gelegene Skigebiete übrig sein werden, und dass die Alpen durch unzählige Seilbahn- und Skigebietsruinen belastet sein werden.»

Ideen und Denkanstösse für neue Wege im Tourismus skizziert CIPRA International mit einer interaktiven Präsentation im Projekt alpMonitor.

 

Quellen und weitere Informationen: 

Bätzing Werner «Das Tal der weißen Gipfel» erscheint in: «Wir Walser - Halbjahresschrift für Walsertum» (01/2018) , www.ayastrekking.it/cimebianche/proposte.php (fr, it) , www.suedostschweiz.ch/tourismus/2017-10-27/skigebiet-motta-naluns-kann-ausgebaut-werden , www.kitzsteinhorn.at/de/presse/pressemitteilungen/verbindung-maiskogel-kitzsteinhorn , www.skitotal.com/gondola-link-alpe-dhuez-les-2-alpes-announced (en) ,  www.kurier.at/chronik/oesterreich/tiroler-gletscherehe-liegt-auf-eis/276.348.513 , www.skiinfo.de/news/a/627866/dav-kritisiert-pl%C3%A4ne-zu-riesigem-gletscherskigebiet-in-tirol , www.snowplaza.de/weblog/7905-skigebiet-wagrain-kleinarl-planen-skiverbindung