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Die Natur als Puffer - Es wird eng für den Alpen-Mannsschild

Androsace alpina - Alpenmannsschild

Zuoberst am Berg und auf der Roten Liste: Der Lebensraum von Hochlagenarten wie dem Alpen-Mannsschild wird wegen nachrückender Arten knapp © apollonio&battista/flickr.

Der Klimawandel bedrängt die Natur in den Alpen. Bis 2100 sind 45 Prozent der Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Ein zukunftsorientierter Naturschutz trägt nicht nur zur Erhaltung der Lebensräume in den Alpen bei, sondern auch zum Klimaschutz und zur Anpassung an den unvermeidlichen Klimawandel.
Wenn sich das Klima in den nächsten 100 Jahren wie prognostiziert um drei Grad erwärmt, werden sich die Vegetationszonen auf der Nordhalbkugel um rund 600 Kilometer von Süden nach Norden und um 600 Meter in die Höhe verschieben. Viele Arten werden diese Wanderung nicht mitmachen können; sie sind dafür einfach zu langsam. Die meisten Gehölze breiten sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 100 Kilometer in 100 Jahren aus, viele Arten in den Alpen mit 50 Höhenmetern in 100 Jahren und einzelne Grasarten gar nur mit vier Metern in 100 Jahren (siehe www.gloria.ac.at (en)).
Die "Flora alpina" zählt knapp 4500 Pflanzenarten in den Alpen, von denen etwa 500 endemisch sind, also nur örtlich begrenzt auftreten. Damit sind die Alpen die floristisch reichhaltigste Region Mitteleuropas. Gleichzeitig sind die Alpen am stärksten vom Klimawandel betroffen, weil die Klimaerwärmung hier um einiges höher ausfällt als im globalen Durchschnitt und die Auswirkungen gravierender sind.

Gut für's Klima, aber schlecht für die Natur
Gemäss aktuellen Modellen sind 45 Prozent der Arten in den Alpen bis 2100 vom Aussterben bedroht. Bereits auf dem Rückzug sind alle extremen Hochlagenarten, so genannte Nivalpflanzen, wie etwa der Gletscher-Hahnenfuss oder der Alpen-Mannsschild. Deren Lebensraum wird sich bei weiterer Erwärmung durch nachrückende konkurrenzstärkere Arten weiter einengen. Beim Alpen-Mannsschild ist dies umso dramatischer, weil dieser nur in den Alpen vorkommt. Aber auch Arten oberhalb der Waldgrenze an randlichen niedrigeren Teilen der Alpen sind durch den Klimawandel gefährdet, darunter einige Felsenblümchen-Arten wie das Sternhaar-Felsenblümchen. Wenn die bestehenden Schutzgebiete in naher Zukunft nicht ausgeweitet und vernetzt werden und die Artenvielfalt ausserhalb dieser Gebiete nicht wesentlich besser geschützt wird, werden viele dieser Arten aus den Alpen oder womöglich gänzlich verschwinden.
Klimamassnahmen sind das Gebot der Stunde. "Einen Schritt weiter denken" bedeutet, auch an ökologische Folgewirkungen dieser Massnahmen zu denken. Wenn Agrarflächen für die Produktion biogener Treibstoffe intensiviert werden, wenn die letzten Alpenflüsse für den Ausbau der Wasserkraft ins Visier genommen werden, wenn neue Baumarten in die Gebirgswälder eingebracht werden oder wenn grosse technische Eingriffe zum Schutz vor Naturgefahren erfolgen, dann kann dies verheerende Folgen für Pflanzen und Tiere und deren Lebensräume haben. Klimamassnahmen müssen unbedingt naturverträglich sein.
Die Natur ist einerseits vom Klimawandel massiv betroffen, andererseits leisten Naturschutzmassnahmen neben positiven ökologischen Wirkungen auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Wiedervernässte Moore beispielsweise speichern CO2 und wirken gleichzeitig als Wasserspeicher, sodass sie tiefer liegende Gebiete vor Überschwemmungen schützen. Auch die Aufweitung und Renaturierung von Alpenflüssen beugt Hochwasserschäden vor. Indem Wälder und Agrarflächen naturnah bewirtschaftet werden und alpenweite ökologische Verbundsysteme geschaffen werden, trägt Naturschutz massgeblich zum Klimaschutz bei. Denn je stabiler alpine Ökosysteme sind, desto eher können sie sich an neue Verhältnisse anpassen.


Was leisten Naturschutzmassnahmen?

Die CIPRA hat die Ergebnisse des Klimaprojektes cc.alps nach Themen gegliedert als Hintergrundberichte in kompakter Form aufbereitet. Das compact Naturschutz stellt Naturschutzmassnahmen in einen grösseren Zusammenhang mit Klimamassnahmen und bewertet diese. Klimarelevante Naturschutzmassnahmen, die im Einklang mit den Zielen der Nachhaltigkeit stehen, sind etwa das ökologische Verbundsystem im französischen Department Isère oder Moor-Revitalisierungen und die Extensivierung von Grünflächen in Bayern.
www.cipra.org/cc.alps-compacts