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Zum Tod von Dr. Walter Danz

Dr. Walter Danz, Foto: Franz Speer

Im Juli 2019 starb nach langer Krankheit Dr. Walter Danz. Am 6. August 2019 wird er auf dem Münchner Westfriedhof beerdigt. Als Zeitgenosse und als einer seiner Nachfolger bei CIPRA Deutschland schreibt der Unterzeichner diesen zweifellos lückenhaften Nachruf auf das berufliche Leben von Walter Danz.

Am Geographischen Institut der Technischen Hochschule München herrscht in den 1960er Jahren Aufbruchstimmung: ein neuer Studiengang startet. Walter Danz wird 1966  der erste Münchner Diplom-Geograph. Der Titel seiner Diplomarbeit (Schliersee – sozialgeographische Strukturanalyse einer Fremdenverkehrsgemeinde) zeichnet sein Lebensthema vor – die Alpen. Er betreibt praktische Wissenschaft, gründet das Berglandinstitut, wird Leiter des Alpeninstituts für Umweltforschung und Entwicklungsplanung. Und er wird politisch aktiv, wird Gründungsmitglied des Arbeitskreises Umweltsicherung & Landesentwicklung der CSU und erweckt mit seiner Forschungsarbeit mediale Aufmerksamkeit (u.a. mit einer Arbeit über steuerbegünstigte Zweitwohnungen in den bayerischen Alpen). Gleichzeitig ist er ehrenamtlich im Deutschen Alpenverein tätig. Reinhard Sander (1. Vorsitzender des DAV von 1974 – 1980) beauftragt ihn mit dem Entwurf des ersten Grundsatzprogramms des Deutschen Alpenvereins, das 1977 von der DAV-Hauptversammlung beschlossen wird. In dieser Zeit klären sich die Strukturen der CIPRA. Walter Danz ist von 1983 bis 1994 Vizepräsident von CIPRA International und gleichzeitig von 1980 bis 1984 an der Spitze von CIPRA Deutschland. Nachdem CIPRA Deutschland 1983 Vereinsstatus erhält, wird er deren erster Präsident.

In diese Jahre fällt die Entstehung der Alpenkonvention, an der Walter Danz entscheidenden Anteil hat. Der Einladung des damaligen Bundes-Umweltministers Klaus Töpfer zu einer ersten Alpenkonferenz gehen Initiativen über die Europäische Volkspartei in das Europaparlament (1988) und ein Ministerratsbeschluss des Freistaats Bayern (1989) voraus, beides von Walter Danz initiiert. Die Geschichte der Alpenkonvention seit der Berchtesgadener Alpenministerkonferenz von 1990 ist auch CIPRA-Geschichte und dort umfangreich dokumentiert. 1984 folgt Fritz März Walter Danz in der Funktion des CIPRA Deutschland-Präsidenten. Walter Danz bleibt aber innerhalb der CIPRA-Familie bis weit in die 1990er Jahre maßgeblicher Akteur bei der Ausgestaltung der Alpenkonvention und ihrer nachfolgenden Protokolle. Der berufliche Weg von Walter Danz führt in das bayerische Umweltministerium und spiegelt so auch das Auf und Ab der bayerischen, nationalen und internationalen Alpenpolitik.

Walter Danz ist einer der Väter der Alpenkonvention, einem noch immer einmaligen, völkerrechtlich verbindlichen europäischen Vertragswerk. Er hat in unnachahmlicher Weise die Fäden zwischen den Akteuren des Alpenraums, der bayerischen Staatsregierung, der Bundesregierung und in das Europäische Parlament hinein gesponnen und über Jahrzehnte die Arbeit der CIPRA geprägt.

Wir sind Walter Danz zu großem Dank verpflichtet.

 

Erwin Rothgang

Vizepräsident CIPRA International, Präsident CIPRA Deutschland 2012-2018, Münchner Diplom-Geograph 1968.