Zerfallende Alpengletscher

Österreichs Eisriesen schwinden zunehmend und zerfallen regelrecht, Deutschland ist bald eisfrei. Die Forschung zeigt, dass mit den Gletschern nicht nur Wasserspeicher, sondern auch Archive der Menschheitsgeschichte verloren gehen.

Durchschnittlich 20 Meter, mancherorts bis zu 100 Meter: So stark sind Österreichs Gletscher von 2024 bis 2025 zurückgegangen. Auffallend ist, dass viele Gletscher nicht nur an Länge verlieren, sondern in eine Phase des strukturellen Zerfalls eintreten: Felsstufen schmelzen frei, Eisbereiche reissen ab und Gletscherzungen stürzen in sich zusammen. Angesichts der aktuellen Zahlen zur Gletscherschmelze fordert der Österreichische Alpenverein eine effektive Klimapolitik sowie eine Reflexion unseres eigenen Verhaltens, denn das Schmelzen der Gletscher ist eine unmittelbare Folge des Klimawandels. Gerade im Alpenraum erhöhen sich die Temperaturen besonders stark: In Österreich hat der Temperaturanstieg die Prognosen der Klimaszenarien von 2015 bereits überschritten. Auch in Deutschland sind die Folgen des Klimawandels an den Gletschern spürbar, im Laufe der 2030er Jahre werden dort auch die letzten vier Gletscher geschmolzen sein. Erst kürzlich ging Deutschlands einziges Gletscherskigebiet verloren: Aufgrund von Instabilität durch steigende Temperaturen musste der Lift am Nördlichen Schneeferner an der Zugspitze abgebaut werden.

Schmelzendes Archiv, schwindender Wasserspeicher

Mit den Gletschern verschwindet nicht nur Infrastruktur für den Tourismus, sondern auch wertvolle Wasserspeicher, einzigartige Lebensräume und ein Archiv der Menschheitsgeschichte. In winzigen Luftbläschen, Partikeln und Spuren konserviert das Eis der Gletscher die europäische Geschichte von den Römern bis zur Neuzeit. Das konnten Forschende aus Italien, Österreich und Deutschland anhand eines Eisbohrkerns aus den Ötztaler Alpen Spuren nachweisen. Sie wollen möglichst viele Informationen aus dem Eis gewinnen, bevor sie unwiederbringlich verloren sind. Gefährdet die Gletscherschmelze unsere Wasserversorgung? Damit beschäftigt sich das österreichische Forschungsprojekt «Wasser im Klimawandel». Durch den Verlust der Gletscher als Wasserspeicher verändert sich die Wasserverfügbarkeit und insbesondere in hochalpinen Einzugsgebieten könnte es im Sommer zu Engpässen kommen. Deshalb sei es wichtig, rechtzeitig vorzusorgen und Anpassungsmassnahmen zu treffen, unterstreichen die Forschenden.

Quellen und weiterführende Informationen: 
https://science.orf.at/stories/3234667/ (de),  www.alpenverein.at/portal/service/presse/2026/2026_03_13_gletscherbericht.php (de), www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.klima-letzte-gletscher-schmelzen-immer-schneller.f14d6f16-8a93-4cf2-aa8a-3a7194c12d5f.html (de),  www.fr.de/wissen/klimakrise-bedroht-alpengletscher-eisiges-archiv-der-menschheitsgeschichte-schmilzt-94235868.html (de),  https://science.orf.at/stories/3235081/ (de),  www.eurekalert.org/news-releases/1117806 (en),  www.popsci.com/environment/alpine-glacier-ice-melting-history/ (en), www.euronews.com/video/2026/03/23/disappearing-glacier-forces-demolition-of-ski-lift-on-germanys-highest-mountain (en)