Trailrunning-Events in den Alpen: Wie viel verträgt die Natur?
Rund um den Mont Blanc, die Zugspitze, den Grossglockner oder durch die Dolomiten: Trailrunning-Events erleben alpenweit einen Boom. Allein beim Ultra Trail Mont Blanc (UTMB) laufen dieses Jahr 10.000 Teilnehmende in verschiedenen Rennen und Kategorien mit. Doch für die Natur und die Bevölkerung vor Ort kann die wachsende Beliebtheit dieser Veranstaltungen kann auch zum Problem werden.
1,6 Tonnen CO2 verursacht eine Person im Durchschnitt, wenn sie am weltweit bekanntesten Ultra-Trailrunning-Event in Chamonix teilnimmt. «Trailrunning zieht immer mehr Menschen an und ermöglicht vielen den Zugang zur Natur. Gleichzeitig bringt dieses Wachstum neue Belastungen in Gebiete, die oft bereits unter hohem Nutzungsdruck stehen», erklärt Laura Moro. Sie ist Wissenschaftlerin, Trailrunnerin und frisch gewählte Vizepräsidentin von Mountain Wilderness International, einer langjährigen Mitgliedsorganisation der CIPRA in mehreren Alpenländern. Zu den wichtigsten Umweltauswirkungen zählen laut Moro die CO2-Emissionen durch die Anreise der Teilnehmenden, die Bodenerosion auf stark frequentierten Wegen sowie die Störung von Wildtieren, insbesondere bei Nachtläufen: «Wildtiere sind Wandernde am Tag gewohnt, nicht aber Hunderte von Menschen mit Stirnlampen in der Nacht.»
Fliegen, um zu laufen
Die Rennen finden oft in kleinen Bergdörfern statt und bringen zusätzlichen Verkehr, Lärm und viele Besucher:innen mit sich. Einige reisen im Flugzeug um die halbe Welt, um dabei zu sein – doch nicht alle profitieren davon. «Die Menschen vor Ort sollten nicht nur als Freiwillige eingebunden werden, sondern von Beginn an bei der Planung solcher Events beteiligt sein», betont Laura Moro. Viele Veranstalter:innen setzen bereits auf Müllvermeidung oder die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dennoch sieht Moro Handlungsbedarf: «Man sollte nicht die Zahl der Teilnehmenden maximieren, sondern ihre Zufriedenheit und jene der lokalen Bevölkerung, Umweltauswirkungen sollten minimiert werden.» Wer vorrangig an Rennen in der eigenen Region teilnimmt, identifiziert sich stärker damit, engagiert sich eher in der Gemeinschaft und verursacht weniger Emissionen durch die Anreise, meint Moro. «Früher kamen viele Menschen über das Wandern oder Bergsteigen zum Trailrunning. Heute wechseln manche direkt vom Fitnessstudio oder dem Strassenlauf auf die Trails», sagt Laura Moro. Umso wichtiger sei es, Wissen über Wildtiere, sensible Lebensräume und respektvolles Verhalten im Gebirge zu vermitteln. Trailrunning-Events könnten dabei eine wichtige Rolle spielen und nicht nur sportliche Leistungen, sondern auch das Verständnis für die Alpen als Lebensraum fördern.
Podcast-Gespräch mit Laura Moro:
Quellen und weiterführende Informationen:
https://www.mdpi.com/1660-4601/21/1/97 (en), https://www.ouest-france.fr/sport/running/trail/un-utmb-reserve-aux-parisiens-apres-lannonce-du-plan-de-decarbonation-la-polemique-enfle-2fec53c2-eb04-11f0-a887-2a4cc40b8e21 (fr), https://www.runnersworld.de/ausruestung/nachhaltigkeit-im-trailrunning-umweltvertraeglich-laufen/ (de), https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ldr.2863 (en), https://bornonthetrail.substack.com/p/the-environmental-impact-of-trail-running-and-hiking (en), https://montblanc.utmb.world/impact-report (en)