Standpunkt: Gut geht, wer ohne Spuren geht

Staus, Lärm, Abgase: Dieses Problem haben neben dicht besiedelten Ballungszentren auch alpine Regionen durch den immer noch bei weitem dominierenden Anteil des motorisierten Verkehrs. Dabei wüssten wir längst, wie es anders geht, meint Stephan Tischler, Verkehrswissenschaftler an der Universität Innsbruck und Vorsitzender von CIPRA Österreich.

Das Zitat «Gut geht, wer ohne Spuren geht» wird dem chinesischen Philosophen Laotse zugeschrieben. In fünf Wörtern fasst es die heute umso aktuellere verkehrspolitische Zielsetzung zusammen: Wir wollen, ja müssen sogar mobil sein. Aber nur wenn Verkehr nachhaltig und damit umweltverträglich abgewickelt wird, ist sichergestellt, dass wir keine dauerhaften Schäden im Lebensraum Alpen hinterlassen.

Seit Jahrtausenden bewegen sich Menschen in und über die Alpen. Spuren dieser anthropogenen Mobilität finden wir allerdings erst in der jüngsten Vergangenheit. Der Reifenabdruck unserer heutigen Zeit wird noch lange nachwirken.    

Wir wissen, wie es anders geht und haben uns auch politisch dazu bekannt, entsprechend zu handeln: Verkehr vermeiden, so gut es geht. Gütertransport vorrangig auf der Schiene durch die Alpen hindurch lenken. Aktive Formen der Mobilität für den lokalen und regionalen Verkehr attraktivieren sowie den Freizeit- und Reiseverkehr über öffentliche Verkehrsmittel abwickeln.

Doch die Realität zeigt, dass von dieser «Verkehrswende» in der breiten Masse kaum Lebenszeichen wahrnehmbar sind. Ist es die Angst vor Veränderung? Sind es fehlende Anreize, zu viele Krisen auf einmal oder einfach das Verdrängen eines Verantwortungsbewusstseins zugunsten eines «noch geht’s»?
Gelegenheiten sowie innovative Ansätze und Initiativen um vom Wollen ins Tun zu kommen, gibt es in letzter Zeit zur Genüge. Doch in der nationalen wie europäischen Politik scheinen die Uhren noch in der Vergangenheit zu ticken.

Aktionismus führt zu Widerstand, Nichtstun verlängert den Status Quo. Die Wahrheit liegt in der Mitte – es braucht den politischen Mut, Massnahmen im Verkehrsbereich auch gegen den Widerstand einzelner Gruppen im Sinne der Alpenkonvention durchzusetzen. Allfällige Klagen vor Gerichten können dabei helfen, dauerhaft Rechtssicherheit zu erlangen. Nur so hinterlassen wir weniger Spuren.