CIPRA Vertretungen:

Benutzerspezifische Werkzeuge

  Suchfilter  

News

Rote Linien am Grünten im Allgäu

Bild von T. Bäuerle/Rettet den Grünten

Seit Monaten schwelt im Allgäu der Widerstand gegen ein Erschließungs-projekt im Allgäu. Am Grünten soll ein neues Bergerlebeniszentrum entstehen. Viele Allgäuer wehren sich dagegen und organisieren sich in der Bürger-initiative "Rettet den Grünten". Am Tag der Deutschen Einheit versammelten sich in Kranzegg am Parkplatz der Grüntenlifte etwa 1100 Menschen zur Demonstration „Wir ziehen die rote Linie!“.

Der Grünten wird auch als der "Wächter des Allgäus" bezeichnet. Markant thront er am Rande der Allgäuer Alpen und ist seit Generationen ein beliebtes Ausflugsziel von Einheimischen und Touristen gleichermaßen. Nicht wenige machten ihre ersten Schwünge auf Ski an diesem Berg.

Erbstreitigkeiten und eine ziemlich in die Jahre gekommene Infrastruktur führten dazu, dass es in der letzten Saison keinen Skibetrieb mehr gab. Eine Investorenfamilie aus der Region möchte nun die Anlagen am Grünten wiederbeleben und plant große Investitionen. Neben Kapazitätserweiterungen bei Bahnen, Restaurants und Parkplätzen, soll vor allem neue Infrastruktur für den Sommerbetrieb geschaffen werden. Erfahrung mit solchen Fahrgeschäften hat die Investorenfamilie bereits im Betrieb der 15 km entfernten Alpsee-Bergwelt sammeln können.

All dies stößt jedoch auch auf Widerstand in der Bevölkerung, welcher sich in der Bürgerinitiative "Rettet den Grünten" zusammengeschlossen hat. Die BI rief am 3. Oktober wieder einmal zu einer friedlichen Demonstration auf, um zu zeigen, dass sehr viele Einheimische dem Projekt am Grünten kritisch gegenüberstehen. Über 1100 Menschen kamen und Philipp Seefelder, Organisator der Demonstration, war begeistert: „Mit dieser Resonanz hätten wir im Leben nie gerechnet. Wir sehen die Teilnahme von so vielen Leuten aus der Region als deutliches Zeichen, dass die Investorenpläne in der derzeitigen Form so nicht angenommen werden!“

Der große Zuspruch bei der Demonstration gab auch einen kleinen Vorgeschmack auf die zu erwartende Verkehrssituation nach den geplanten Investitionen: „Der volle Parkplatz am Ende des Vormittags macht aber eines deutlich: sollte das Projekt kommen und es keine Verkehrswende geben, so ist in Zukunft mit einem noch stärkeren Verkehrsaufkommen zu rechnen, als es heute der Fall war“, so die Sprecher Nadja Ewald-Harich und Max Stark.

Unter den Mitgliedsverbänden von CIPRA Deutschland beziehen auch BN, DAV und LBV zu Plänen Stellung (siehe unten). CIPRA Deutschland betrachtet die Entwicklung am Grünten als einen exemplarischen Fall für ähnlich gelagerte Problemstellungen im gesamten bayerischen Alpenraum. Kleine Liftbetriebe mit dem Schwerpunkt „Wintersport“ und in die Jahre gekommenen Anlagen geraten zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Vielerorts wird daher versucht, aus dieser wirtschaftlichen Zwangslage durch Investitionen in Anlagen für den Sommerbetrieb (Sommerrodelbahnen, MTB-Downhill-Strecken etc.) zu entkommen. Das führt zu einer Intensivierung der Nutzung, was wiederum neben der lokalen Belastung auch den weiteren Ausbau von Infrastruktur (Parkplätze, Zunahme des Individualverkehr, Erweiterung von Straßen, Ortsumgehungen etc.) nach sich zieht.

Aus Sicht von CIPRA Deutschland ist für die Neuplanung und Umstrukturierung von Liftanlagen eine qualifizierte Landschaftsrahmenplanung notwendig, die jeweils als integrierter Teil der Regionalpläne die Erhaltung und Entwicklung von landestypischen Landschaftsräume gemeindeübergreifend sicherstellt. Gleichzeitig können so Klimaschutzziele durch eine entsprechende Planung von Verkehrsströmen berücksichtigt werden. Genehmigungen für den Bau von Anlagen wie am Grünten ohne entsprechend regional abgestimmte Pläne entsprechen heute nicht mehr einer auf Nachhaltigkeit abzielenden Entwicklung einer Region. Derartige Neuanlagen sind ohne diese Grundlagen rein aus fachlicher Sicht abzulehnen.

Quellen und weiterführende Informationen:
Mehr zur Bürgerinitiative und zur Aktion unter: https://www.rettet-den-gruenten.de/
Stellungnahme des BUND Naturschutz in Bayern: https://www.bund-naturschutz.de/pressemitteilungen/der-gruenten-droht-vom-spasstourismus-ueberrollt-zu-werden.html
Stellungnahme des Deutschen Alpenvereins: https://www.alpenverein.de/natur/gruenten-dav-kritisiert-ausbau_aid_33833.html
Stellungnahme des Landesbund für Vogelschutz: https://www.lbv.de/news/details/gruenten-droht-von-spasstourismus-ueberrollt-zu-werden/

Berichterstattung im BR: https://www.br.de/nachrichten/suche?param=gr%C3%BCnten
Bericht in der SZ: https://www.sueddeutsche.de/bayern/gruenten-freizeitpark-tourismus-allgaeu-1.4483627