Erster CIPRA-Almlehrgang: Wissen teilen, Perspektiven verbinden
Wie können Almen auch in Zeiten des Klimawandels ihre vielfältigen Funktionen für Natur, Landwirtschaft, Tourismus und Gesellschaft erfüllen? Mit dieser Frage beschäftigten sich rund 30 Teilnehmende beim ersten CIPRA-Almlehrgang am 19. und 20. Juni im Isarwinkel. Die zweitägige Veranstaltung wurde von CIPRA Deutschland in Kooperation mit der Gebietsbetreuerin Margret Hütt durchgeführt und war ein voller Erfolg.
Ziel des Almlehrgangs war es, Almen wieder stärker in den Fokus zu rücken und insbesondere Multiplikator*innen aus Tourismus, Naturschutz und Outdoorbereich für ihre ökologische, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung zu sensibilisieren. Gleichzeitig bot die Veranstaltung Raum für den direkten Austausch zwischen Wissenschaft, Almwirtschaft, Tourismus und Naturschutz – ein Dialog, der angesichts der vielfältigen Herausforderungen für die Almwirtschaft wichtiger denn je ist.
Der Lehrgang führte die Teilnehmenden auf zwei sehr unterschiedliche Almen: in das Schronbachtal sowie auf eine Alm im Skigebiet Brauneck. Vor Ort vermittelten renommierte Referenten ihr Wissen aus erster Hand. Der Biologe Albert Lang begeisterte mit spannenden Einblicken in die Biodiversität der Almflächen und machte deutlich, welchen Beitrag selbst kleinste Pflanzenarten für das empfindliche Ökosystem leisten. Die Almbauern Sebastian Bauer mit Hirte Thomas Lorscheter (Schronbach Alm) und Andi Müller (Strasser Alm) berichteten eindrucksvoll aus ihrem Arbeitsalltag und zeigten auf, welchen Herausforderungen sich die Almwirtschaft zwischen Klimawandel, steigenden Nutzungsansprüchen und wirtschaftlichem Druck stellen muss. Gleichzeitig wurde deutlich, welchen unschätzbaren Wert die Bewirtschaftung der Almen für den Erhalt der Kulturlandschaft besitzt.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Spannungsfeld zwischen Naturschutz und touristischer Nutzung. Diskutiert wurden unter anderem die Biodiversität auf Skipisten, unterschiedliche Formen der Weidenutzung sowie die Frage, wie Almen auch künftig nachhaltig genutzt werden können. Wissenschaftliche Perspektiven brachten unter anderem Prof. Jörg Ewald von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ein. Beim gemeinsamen Abendprogramm begrüßte Landrat Ludwig Schmid die Teilnehmenden. Dr. Andreas Wüstefeld (Tölzer Land Tourismus) und Antonia Asenstorfer (Geschäftsführerin Brauneck- und Wallbergbahnen) ergänzten den fachlichen Austausch mit ihren Impulsen zur touristischen Entwicklung am Brauneck.
Besonders wertvoll war die Vielfalt der Teilnehmenden: Neben Wanderführerinnen, Vertreterinnen von Tourismusorganisationen und Outdoor-Anbietern nahmen erfahrene Almbäuerinnen und Almbauern, Naturschutzfachleute sowie Wissenschaftler*innen teil. Während der gesamten Veranstaltung entwickelte sich ein intensiver Austausch zwischen den verschiedenen Interessensgruppen, bei dem Erfahrungen, Perspektiven und Wissen offen geteilt wurden.
Der erste CIPRA-Almlehrgang hat gezeigt, wie wichtig Formate sind, die Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenbringen. Der direkte Austausch mit Praktikerinnen und Wissenschaftlerinnen, das Lernen vor Ort auf den Almen und die gemeinsamen Diskussionen haben neue Perspektiven eröffnet und das Verständnis für die komplexen Zusammenhänge der Almwirtschaft gestärkt. Die große Resonanz macht deutlich: Der Bedarf an solchen Dialog- und Lernformaten ist hoch – und die Almen verdienen mehr Aufmerksamkeit.