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Die Königin der Insekten

(c) Danilo Bevk

Emsig, solidarisch, rein: Die Biene und ihr Staat sind seit jeher tugendhaftes Vorbild für die Menschen. Ihre Bedeutung spiegelt sich in unserer Geschichte, Sprache und Kultur wider – von der Steinzeit bis heute.

Eine Biene ist besser als tausend Mücken: Diesem französischen Sprichwort zufolge ist etwas Nützliches besser als viel Unnützes. Da hilft es auch nicht, jemandem zu schmeicheln, also ihm im Deutschen «Honig ums Maul zu schmieren». Bringt etwas wider Erwarten dennoch Erfolg, dann ist «die Axt in den Honig gefallen», wie es in Slowenien heisst. Die fleissige Biene ist der Ausdruck für Nützlichkeit, ihr süsser Honig verspricht Glück und Belohnung. Eine Person klettert auf einen Baum und greift mit ihrer Hand in eine Baumhöhle, während Bienen den Honigdieb umschwirren. Diese berühmte Höhlenmalerei im Osten von Spanien entstand bereits in der Steinzeit, 10’000 bis 6’000 v. Chr. Sie ist eines der ältesten Zeugnisse der Beziehung zwischen Mensch und Biene. Im alten Ägypten sah man in der Biene ein göttliches Wesen. Geboren aus den Tränen des Sonnengottes Re, überwindet sie der ägyptischen Mythologie zufolge die Grenze zwischen Leben und Tod. Im Mittelalter war die Arbeitsmoral der unermüdlich arbeitenden Biene Vorbild für die klösterliche Ordnung. Der Bienenstock verkörperte die damalige christliche Gemeinschaft. Die Menschen glaubten, dass die Bienen ihre Nachkommen jungfräulich von den Blüten sammeln. Im Christentum steht die Biene deshalb für Reinheit und Keuschheit und gilt als Zeichen der Jungfrau Maria. In der Antike galt der Bienenstaat als politisches Vorbild und diente als natürliche Rechtfertigung für die Monarchie. Lange glaubten Forscher, dass ein Bienenkönig über das Volk regiert. Die Arbeiterinnen galten als selbstlos, bescheiden und keusch. Die Menschen sollten ebenfalls dem Monarchen gehorchen und fleissig für das Wohl des Staates arbeiten. Die Entdeckung der Bienenkönigin im 17. Jahrhundert zerstörte dieses Idealbild einer patriarchalen Herrschaft. Die Drohne galt als faul, sie wurde zur Zeit der französischen Revolution zum Sinnbild des privilegierten, arbeitsscheuen Adels. Als sich Napoleon Bonaparte 1804 selbst zum Kaiser krönte, wählte er die Biene als Wappentier, um sich von der Lilie zu distanzieren, dem Zeichen der gestürzten Bourbonenkönige.

1912 veröffentlichte Waldemar Bonsel den Roman «Die Biene Maja und ihre Abenteuer». In der Erzählung verband der Autor Naturliebe und Biologie mit Staatstheorie und Vaterlandsliebe. Die abenteuerlustige Biene kehrt opferbereit zu ihrem Stock zurück, um ihr Volk vor dem drohenden Angriff der Hornissen zu beschützen. Das Buch wurde zum Bestseller, vor allem bei den Soldaten im ersten Weltkrieg. 1975 eroberte die Biene Maja als deutsch-österreichisch-japanische Zeichentrickserie die Kinderzimmer und brachte Gross und Klein die Welt der Insekten näher. 2013 gab es eine Neuauflage, dem Zeitgeist entsprechend in computeranimierter 3D-Optik und mit deutlich schlankeren Bienen.Auch in der heutigen Popkultur ist die Biene ein Symbol. In Film und Fernsehen trägt die Anführerin ihres sozialen Umfelds den Spitznamen Bienenkönigin, «Queen B». Sie verkörpert den Stereotyp der privilegierten, schönen und beliebten Frau, die gleichzeitig manipuliert und schikaniert – honigsüss und stechend.


Quelle und weitere Informationen: www.cipra.org/szenealpen


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