Die Alpen trocknen aus

Bereits im Juni 2026 wurden in vielen Regionen Rekordtemperaturen gemessen, im Juli und Anfang August folgten die nächsten Hitzeperioden. Die Folgen sind Wassermangel, häufigere Waldbrände und ungewöhnliche Naturschauspiele.

Wasserfälle statt Eis in über 4000 Metern Höhe: Bilder dieses seltenen Naturschauspiels am Matterhorn als Folge intensiver Regenfälle gingen viral. Sie stehen symbolisch für die Auswirkungen von Hitzewellen, wie sie der Alpenraum im Sommer 2026 erlebt hat. In den Alpenstädten Innsbruck und Grenoble fielen mit über 38 Grad die Hitzerekorde für den Monat Juni, in Chur wurde die bislang längste Serie an Hitzetagen gemessen. Ähnlich war die Lage in Bozen, das zu den 15 heissesten Städten Italiens zählt. Sogar im slowenischen Bergsteigerdorf Jesersko kletterte die Temperatur auf über 34 Grad. Am Monte Rosa wurden rekordverdächtige Temperaturen gemessen, Fliegen und Mücken wurden in Höhenlagen gesichtet, die bisher von Eis und Kälte geprägt waren. Was vor wenigen Jahren noch aussergewöhnlich war, passiert immer häufiger – davon zeugten diesen Sommer zahlreiche Waldbrände in den französischen Südalpen ebenso wie die kritischen Wasserstände am Po und an der Etsch. Am Gardasee etwa verdunsten an heissen Tagen täglich mehrere Milliarden Liter Wasser, was bei länger anhaltender Hitze zum Problem für Landwirtschaft und Tourismus wird. In der Bodenseeregion am Nordrand der Alpen galt wegen niedriger Wasserstände in Flüssen und Bächen vorübergehend ein generelles Entnahmeverbot für Oberflächengewässer. Vielerorts müssen Landwirt:innen ihre Tiere früher ins Tal bringen und bereits im Sommer Heu zukaufen.

Klimaschutz und Anpassung immer wichtiger

Aktuelle Analysen des Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission zeigen: Gemeinden können durch Investitionen in Klimaschutz, erneuerbare Energien und Energieeffizienz ihre Emissionen bis 2030 um durchschnittlich 48,5 Prozent senken. Gleichzeitig reichen die bisherigen Anstrengungen nicht aus, um die EU-Klimaziele zu erreichen. Das JRC warnte schon zu Sommerbeginn vor einem aussergewöhnlich starken El-Niño-Ereignis mit ungewöhnlicher Hitze über Monate hinweg. «Das bestätigt, was in den Alpen bereits sichtbar ist: Die Anpassung an Hitze und Wasserknappheit wird immer wichtiger – ebenso wie eine rasche Reduktion der Treibhausgasemissionen», sagt Uwe Roth, Präsident von CIPRA International. Hier setzt auch ein aktuelles CIPRA-Projekt an: «H2Opportunities» vermittelt Wissen und regt Gespräche über ein gerechtes Wassermanagement an.

 

Quellen und weiterführende Informationen:

www.swissinfo.ch/ (de), www.rainews.it/ (it), https://de.euronews.com/ (de), www.bodenseekreis.de/ (de), www.lastampa.it/ (it), www.ilsole24ore.com/ (it), www.lastampa.it/cronaca/2026/07/04/ (it), www.geo.fr/ (fr), www.ledauphine.com/ (fr), https://joint-research-centre.ec.europa.eu/jrc-news-and-updates/potentially-historic-el-nino-come-analysis-shows-humanitarian-toll (en), https://joint-research-centre.ec.europa.eu/jrc-news-and-updates/local-climate-action-delivers-more-efforts-are-needed-meet-2030-goals (en), https://www.20min.ch/ (de), www.slf.ch/de/news/wir-steuern-jetzt-auf-die-hochsaison-zu/ (de), https://de.euronews.com/my-europe/2026/07/21/extreme-durre-alpen-tiere-landwirte-auswirkungen (de), hwww.swissinfo.ch/ger/chur-knackt-hitzetage-rekord/91680721 (de), https://tgplus.fr/article/canicule-grenoble-bat-un-record/ (fr), https://suedtirol.orf.at/stories/3364845/ (de), https://tirol.orf.at/stories/3360322/ (de), https://svet24.si/novice/slovenija/vreme-vrocina-stirideset-stopinj-1916722 (sl), https://siol.net/novice/slovenija/pri-kranjski-gori-znova-gori-v-zraku-tri-letala-air-tractor-in-helikopter-sv-698632 (sl)