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Klima - Raum - Planung

Die Auswirkungen des Klimawandels sind messbar, seine ökonomischen Schäden teils bezifferbar. Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel sind dringlicher denn je. Doch die Raumplanung reagiert zögerlich. Auf der CIPRA-Jahresfachtagung wurden erfolgreiche Anpassungsstrategien vorgestellt.
Gletscher schmelzen, Naturextremereignisse haben an Zahl und Ausmass zugenommen, Muren und Hochwasser zählen zu den Folgen. "Naturkatastrophen sind Kulturkatastrophen", betonte Prof. Helga Kromp-Kolb, Klimaexpertin des Instituts für Meteorologie der Universität Wien. "Ich mache mir keine Sorgen um die Alpen, aber um die Menschen dort. Es geht wirklich um unseren Lebensraum".

Raumplanung muss auf Naturgefahren reagieren
Dementsprechend wichtig sind planerische Reaktionen auf zunehmende Naturgefahren. So müssen Schutzwälder saniert, Hochwasserschutz muss verstärkt werden. Hierbei sollten Flüsse mehr Raum erhalten, renaturiert werden, ufernahe Überschwemmungsbereiche sind von Bebauung freizuhalten.
Da die Konkurrenz um knappe, vor alpinen Naturgefahren sichere Flächen zunimmt, ist die Raumplanung gefordert, neue Flächen sparende Siedlungsmodelle und Gefahrenzonenpläne zu entwickeln.

Innovative Planungsprozesse
Beispiel: Nachhaltiger Hochwasserschutz in Samedan/CH
Ein nachhaltiges Hochwasserschutzprojekt hat die Gemeinde Samedan im Oberengadin 2004 realisiert, das mit einer Revitalisierung des Auengebiets Cristansains abgeschlossen wurde. Berit Junker von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) aus der Schweiz untersuchte anhand dieses Fallbeispiels neue Formen der Entscheidungsfindung: Erfolgsfaktoren für die Realisierung eines nachhaltigen Konzepts seien der Einbezug von Interessengruppen sowie die starke Beteiligung der Bevölkerung mit Hilfe von Partizipationsmassnahmen gewesen. Diese haben letztlich zum Stimmungsumschwung und einer Befürwortung des Projekts in der Bevölkerung geführt.
Christine Jurt, WSL, stellte heraus, wie wichtig während der Verhandlungen das Bewusstsein gewesen sei, dass die beteiligten Akteure Naturgefahren unterschiedlich wahrnahmen. Um eine bessere Verständigung und grössere Bereitschaft für neue Lösungen zu erreichen, sei ein Bewusstsein über die unterschiedlichen sozialen, ökonomischen, ökologischen und psychologischen Blickwinkel der Beteiligten von entscheidender Bedeutung.
Beispiel: River Basin Agenda/D
Auch im Projekt "River Basin Agenda" des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz wurde im Planungsprozess besonderer Wert auf die Einbindung möglichst vieler Akteure wie Fachdienststellen, Gemeinden, Interessensvertreter, Betroffene gelegt. In 11 Modellflussräumen aus Alpenregionen Bayerns, Frankreichs, Italiens, Österreichs, der Schweiz und Sloweniens wurden praktische Erfahrungen zum Flussraummanagement gesammelt. Demzufolge gehöre zu einem modernen, integrativen Flussraummanagement neben Planung und Umsetzung von Massnahmen vorab eine intensive Analyse der Problemlage, so Projektmanager Stefan Thums.

Beispiel: Raumentwicklungspläne/A
Beispielhaft für eine ganzheitliche Herangehensweise sind die schutzwasserwirtschaftlichen Raumentwicklungspläne in Österreich: Raumansprüche an den Flussraum und daraus folgende Nutzungskonflikte werden identifiziert. Im Rahmen eines partizipativen und interdisziplinären Planungsprozesses werden konsensuale Lösungen für ein nachhaltiges Flächenmanagement im Interesse der Hochwassersicherheit gesucht. In diesem Prozess können Flächen langfristig als potenzielle Überschwemmungsgebiete gesichert werden.

Beispiel: Linther Hochwasserschutzkonzept/CH
Der Linthkanal in der Schweiz ist ein fast 200 Jahre altes Kanalsystem zwischen Glarus und Zürichsee. Die Hochwasserereignisse 1999 und 2005 machten deutlich, dass neue Hochwasserschutzmaßnahmen notwendig sind - zumal meteorologische Extremereignisse in Anzahl und Intensität zunehmen. Der Linthingenieur Markus Jud stellte heraus, dass selbst bei einem künstlich angelegten Kanalsystem ein ökologischer Hochwasserschutz möglich ist. Dazu gehören zum Beispiel grossräumige Flussaufweitungen. Zudem sind Revitalisierungsmassnahmen an den Hintergräben von Escher- und Linthkanal geplant, auch mehrere Auwaldreste im Linthband sollen revitalisiert werden.