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Basistunnel-Projekte: Viele Pläne - viele Fragezeichen

In der Schweiz wird der Eisenbahnbasistunnel durch den Lötschberg bereits im Jahr 2007 eröffnet, der Gotthard-Tunnel frühestens acht Jahre später. Diese Projekte sind nur der Auftakt zu einem Reigen von Bahn-Grossprojekten.
Red. Die Basistunnels sind ein brisantes Thema. In der Schweiz und in der EU finden Verhandlungen über Vorankommen, Finanzierung und Prioritäten statt. In der EU wurden im Juli 2005 Koordinatoren für die TEN-V Projekte (Transeuropäisches Netzwerk - Verkehr) ernannt, welche Verhandlungen und Beschlüsse vorantreiben, zwischenstaatlich vermitteln und jährliche Berichte zum Stand der Projekte veröffentlichen sollen.

Schweiz geht mit NEAT voran
Die NEAT (Neue Eisenbahn Alpentransversale) beinhaltet mehrere Projekte: Von Frutigen nach Raron erreicht der Lötschberg-Basistunnel eine Länge von 34,7 km. Die Arbeiten verlaufen planmäßig, der Durchbruch wurde am 28. April 2005 gefeiert, die Inbetriebnahme im Jahr 2007 ist wahrscheinlich. Die Projektkosten belaufen sich auf 2,7 Mrd Euro.
Von Erstfeld nach Bodio erreicht der Gotthard-Basistunnel eine Länge von 57 km. Eine geologische Störzone verhindert momentan den Vortrieb in der Weströhre und kann die planmäßige Fertigstellung bis 2015 (ursprünglich: 2012) gefährden. Mit Mehrkosten von 1,1 Mrd. Euro € für Sicherheit, Technik, etc. werden die Projekt-Gesamtkosten zur Zeit mit 5,2 Mrd. € Euro veranschlagt.
Der 15,4 km lange Ceneri-Basistunnel von Camorina nach Vezia bildet den Süd-Zulauf für den Gotthard-Basistunnel. Die Gesamtkosten werden auf 1,3 Mrd. Euro €veranschlagt. Im Herbst soll mit den Vorarbeiten begonnen werden, 2007 mit dem Bau der zwei Einspurröhren. Mit einer Inbetriebnahme ist frühestens 2016 zu rechnen.
Der Bau des Zimmerberg Basistunnels von Nidelbad bis Zug als Nord-Zulauf für den Gotthard-Basistunnel wurde bis auf weiteres zurückgestellt. In einer Kapazitätsanalyse wird das Vorhaben untersucht und spätestens 2008 dem schweizerischen Parlament zur Prüfung vorgelegt. Die Schätzungen für die Gesamtkosten der NEAT-Projekte wurden von 10,2 auf 13 Mrd. Euro erhöht. Neben einer Neuordnung der FINÖV Fonds (Finanzierung der Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs) müssen bis spätestens 2007 neue Kredite bewilligt werden.

Basistunnel durch den Brenner: "EU-Priorität 1"
Der 56 km lange Basistunnel von Innsbruck/A nach Franzensfeste/I mit der EU-Priorität 1 soll frühestens 2015 fertig gestellt sein. Der Baubeginn für den ca. 430 Mio. € Euro teuren Probestollen ist für 2006 vorgesehen. Die Kostenschätzungen für den Tunnel selbst liegen momentan zwischen 5,4 Mrd. und 15 Mrd. Euro. Der Finanzierungsanteil der EU ist abhängig von den Budgetverhandlungen für 2007-2013, die erst 2006 konkret werden.
Der Süd-Zulauf von Verona nach Fransensfeste wird voraussichtlich bis Ende 2006 fertig, der erste Abschnitt des Nord-Zulaufes (Baumkirchen-Kundl/Radfeld) 2011. Für den 2. Teil des Nord-Zulaufs erwartet man Ende 2005 eine Aktualisierung der Machbarkeitsstudie von 1993. Die Gesamtkosten der Zulaufstrecken werden mit 12 Mrd. € Euro veranschlagt.


Höchste Priorität für Lyon-Turin
Der Basistunnel Lyon-Turin besteht aus zwei Teilen: ein 52 km langer Tunnel auf der Strecke Saint-Jean-de-Maurienne/F-Susa/I und ein 12 km langer Tunnel zwischen Susa/I und Bussoleno/I. Von der EU-Kommission wurde dem Projekt ebenfalls höchste Priorität zugewiesen. 2007 sollen die Vorstudien zum Projekt abgeschlossen sein und es soll entschieden werden, ob gebaut wird. Die Vorarbeiten sind bis 2009 vorgesehen, die Fertigstellung bis 2020. Für erstere werden aktuell 555 Mio. Euro€ veranschlagt. Die Gesamtkostenschätzung von 12,5 Mrd. €Euro für den Basistunnel wird im "Rapport de l'audit sur les infrastructures" (Red. Pascale Pilard) als viel zu niedrig bewertet. Die Finanzierung ist offen und hängt unter anderem von den Budgetverhandlungen 2006 der EU ab.

Auch Semmering-Tunnel noch ungewiss
Bis 2008 sollen Details zum Projekt "Semmering Tunnel neu" vorliegen. Von Gloggnitz nach Mürzzuschlag soll der Tunnel eine Länge von 30 km erreichen. Ein Baubeginn 2010 und die Fertigstellung 2016, wie von den Österreichischen Bundesbahnen vorgesehen, ist laut Experten utopisch. Kostenvoranschläge belaufen sich auf 1,25 Mrd. Euro. Für die Finanzierung steht - wie bei Brenner und Lyon-Turin - das Public-Private-Partnership-Modell zur Diskussion. Ob gebaut wird steht nicht fest, nach wie vor stehen Alternativen zur Diskussion.