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Energieeffizienz: die vergessene Reserve

Nach Angaben der Europäischen Union für 2004 werden zehn Prozent der von den europäischen Haushalten verbrauchten elektrischen Energie von Bereitschaftsschaltern (Standby-Systemen) in Haushaltsgeräten verursacht. Ab 2015 erwarten Spezialisten für Energiepolitik eine Stromknappheit. Anstatt die Anstrengungen auf Stromsparmassnahmen zu konzentrieren, werden in den Alpen und anderswo in Europa neue Kraftwerksanlagen geplant.
Die drohende Stromknappheit in Europa beruht auf einfachen Berechnungen des linearen Verbrauchswachstums angesichts der erwarteten Stilllegung von veralteten Atomkraftwerken zwischen 2015 und 2025. Für den Übergang bis zur Inbetriebnahme potentieller neuer Atomkraftwerke besteht die "Lösung" darin, Erdgaskraftwerke mit einer Leistung von 200 bis 500 MW zu bauen. In Europa werden nach Aussagen des Europäischen Stromverbundes UCTE bis 2025 in 22 europäischen Ländern 300 GW fehlen. Ungefähr hundert solche Kraftwerke wären also notwendig, mit offensichtlichen Auswirkungen auf das Klima durch CO2-Emissionen. Das Potential für die Produktionssteigerung von Wasserkraftwerken durch eine Verbesserung der Leistung der bestehenden Anlagen und den Bau neuer Staudämme wird auf weniger als 10% geschätzt.

Die Konsumenten - Akteure und Gefangene des Wachstums
Das Ziel des Endverbrauchers besteht nicht darin, mehr Elektrizität zu konsumieren, sondern Dienstleistungen zu nutzen, um seine Bedürfnisse und Erwartungen zu befriedigen. Bislang sind die notwendigen Rahmenbedingungen nicht dafür gegeben, dass die Energieversorger die Verbraucher darin unterstützen können, Energie effizient einzusetzen. Es ist notwendig, von einem freien Energiemarkt zu einem Markt überzugehen, der energierelevante Bedürfnisse befriedigt, und zwar umweltschonend und zu einem für die Verbraucher akzeptablen Preis. Dies bedeutet, dass die Akteure auf dem Energiemarkt nicht nur in die Energieversorgung eingebunden sind, sondern auch in eine möglichst rationelle Energienutzung. In seinem Bericht "Die vergessene Säule der Energiepolitik" zeigt das Wuppertal Institut auf, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, welche die Akteure auf dem Energiemarkt für die Nutzung ihres Produkts, nämlich der Elektrizität, in die Pflicht nehmen.
Die Trennung des Energiemarktes und des Marktes der Energieeffizienz führt zu einem Anstieg des Energieverbrauchs. Für einen Stromversorger geht es darum, seine Verkaufszahlen zu erhöhen, und folglich wird ihn der Rückgang der Energieeffizienz nur freuen.

Weniger verkaufen, um grössere Gewinne zu machen?
In einem offenen Markt, der sich stabilisieren sollte, wäre es für die Betreiber auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten interessant, in den zu wenig genutzten Markt der Energieeffizienz eingebunden zu sein. Diese Vorgangsweise hätte ausserdem Vorteile für Kundenbindung und Marketing. Der Konsument hätte daraus nur Vorteile. Auch wenn die Schaffung von Rahmenbedingungen durch den Gesetzgeber gewiss notwendig ist, so ist es bereits heute für ein Elektrizitätsversorgungsunternehmen interessant, bei seinen Kunden zu investieren, um bei gleichem Komfort und gleicher Produktivität ihren Verbrauch zu senken, anstatt in ein neues Kraftwerk zu investieren oder Anteile an Kraftwerken anderer Unternehmen zu erwerben.

Die Gesetzgeber geraten ins Hintertreffen
Am 13. März 2005 hat das EU-Parlament eine Richtlinie für die umweltgerechte Gestaltung von Energie verbrauchenden Produkten ("Öko-Design-Richtlinie") verabschiedet. Diese Richtlinie hat zum Ziel, die Energieeffizienz der Produkte während ihrer ganzen Lebensdauer zu verbessern, und zwar durch die systematische Berücksichtigung von Umweltaspekten bei ihrer Entwicklung. Die Richtlinie ist das Ergebnis eines Kompromisses mit den Energielobbies und müsste für ihre Umsetzung noch präzisiert werden. Sie umfasst keine verbindlichen Bestimmungen, aber die Produkte, die diese Forderungen erfüllen, können innerhalb der EU leichter vermarktet werden. Angesichts der Zunahme des Elektrizitätsverbrauchs in Europa ist das eine völlig unzulängliche Massnahme.