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Abwanderung als einzige Perspektive?

Die Arbeiten von Werner Bätzing, Alpenforscher an der Universität Erlangen, zeigen, dass sich die Bevölkerungsentwicklung im Alpenraum ähnlich verhält wie im übrigen Europa, aber mit stärkeren Extremen. Es sind ein leichter Bevölkerungszuwachs und eine Überalterung festzustellen. Seit 1980 ist in den Alpen gar ein im europäischen Vergleich überdurchschnittliches Wachstum zu beobachten. Trotzdem findet in einigen Regionen eine starke Abwanderung statt. Zwischen 1871 und 2000 hat sich die Bevölkerung in 56% aller Alpengemeinden mehr als verdoppelt, in 44% hat sie um einen Viertel bis die Hälfte abgenommen.
Der Bevölkerungszuwachs in den Alpen findet vor allem in den Zentren statt, während periphere Regionen eine Abnahme aufweisen. Die Abwanderung ist hier ein Teufelskreis, der ausserdem die Überalterung beschleunigt: Wenn die Jungen nach einer Ausbildung wegbleiben, nimmt die Bevölkerung weiter ab, weshalb die Infrastruktur abgebaut und die Region noch weniger attraktiv wird. Um Abwanderung und Überalterung zu stoppen, bräuchte es mehr Anreize, im Dorf zu bleiben oder nach der Ausbildung zurückzukehren. Entscheidend sind für junge wie für alte Menschen die Möglichkeiten bezüglich Infrastruktur, Arbeit, Wohnen und Kultur, die ein Ort zu bieten hat.
Die Entvölkerung abgelegener Bergdörfer ist in den Süd- und Westalpen bereits weitgehend abgeschlossen. In Italien und Frankreich hatten die Städte traditionell eine höhere Bedeutung als die ländlichen Regionen. Im deutschsprachigen Alpenraum war das Gegenteil der Fall. Entsprechend wurden hier Fördermittel zur Erhaltung der Berglandwirtschaft und der öffentlichen Dienste bereitgestellt. Derzeit wird die Regionalpolitik angesichts zunehmender Haushaltsdefizite aber auch in den Zentral- und Ostalpen hinterfragt. Die Diskussion darüber, ob und zu welchen Kosten der Staat die Entvölkerung des ländlichen Alpenraums stoppen kann und soll, steht zumindest im deutschsprachigen Alpenraum erst am Anfang.