Olympische Spiele 2038: Nationalrat verweigert nationale Mitsprache

Der Nationalrat hat am 1. Oktober die Möglichkeit eines Referendums zur Unterstützung der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2038 abgelehnt. CIPRA Schweiz kritisiert diesen Entscheid scharf: Trotz der nationalen Tragweite des Projekts soll die Schweizer Bevölkerung nicht über die Unterstützung der Spiele mitentscheiden können. Unter dem Zeitdruck des IOC wird die nationale Debatte an der Urne verhindert.

«Das ist eine sträfliche Blauäugigkeit gegenüber einem Mega-Event. Wer ein Generationenprojekt beschliesst, es aber nicht vor die Bevölkerung bringen will, entzieht diesen Beschlüssen die demokratische Legitimation», kritisiert Kaspar Schuler, Präsident von CIPRA Schweiz. Der Zeitplan des IOC darf die Mitspracherechte in der Schweiz nicht sabotieren. Sollte der Ständerat dem Entscheid des Nationalrats folgen, geraten Kantone und Gemeinden umso stärker unter Druck.

Nachhaltigkeitsversprechen reichen nicht

Die Erfahrungen mit den letzten Austragungen Olympischer Winterspiele zeigen: Trotz Nachhaltigkeitsversprechen führten die Spiele zu massiven Kostenüberschreitungen und dauerhaften Landschaftseingriffen. Auch dezentrale Spiele wie Milano-Cortina Anfang 2026 oder die vorgeschlagenen Spiele in der Schweiz sind davor nicht gefeit. Zusätzliche Ansprüche an Sportanlagen und Verkehrsinfrastrukturen drohen die ursprünglichen Zusagen im Lauf der Planung zu verdrängen.

Der Nationalrat hat den Entwurf des Bundesrats in einigen Punkten konkretisiert: Er fordert eine Nachhaltigkeitsstrategie unter Einbezug der nationalen Umweltverbände und will für die Winterspiele keine Sonderregelungen oder Ausnahmen zulassen. Eine verbindliche Kompensation der unvermeidbaren Schäden an Natur, Landschaft und Klima lehnt er jedoch ab. CIPRA Schweiz begrüsst die Konkretisierungen, kritisiert aber diese Lücke: «Wer Schäden in Kauf nimmt, muss auch für ihren Ausgleich einstehen», sagt Kaspar Schuler. «Nun hat der Ständerat die Möglichkeit, verbindliche Kompensationen für Umweltschäden im Gesetz zu verankern, zum Bespiel durch die Schaffung oder Vergrösserung von Schutzgebieten.»

Kosten und IOC-Verpflichtungen bleiben offen

Zu den zu erwartenden exorbitant hohen Sicherheitskosten des Bundes gibt es weiterhin nur ungenaue Abschätzungen. Noch sind zudem die Vertragsbedingungen mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ungeklärt. Der vom IOC gesetzte Zeitdruck darf nicht dazu führen, dass die Schweiz Verpflichtungen eingeht, bevor deren finanzielle und politische Folgen echt geklärt sind.

Gerade bei dezentralen Spielen wie Anfang 2026 in Norditalien sagt der anfänglich ausgewiesene Subventionsbeitrag wenig über die effektive Gesamtbelastung aus. Kostenüberschreitungen und Landschaftseingriffe treffen vor allem die Austragungsorte und ihre Kantone. «Der olympische Appetit folgt allzu oft dem Muster: grösser, teurer, rücksichtsloser. Bevölkerung und Natur vor Ort dürfen dafür nicht die Rechnung bezahlen», warnt Kaspar Schuler.

Weitere Auskünfte: Kaspar Schuler, Präsident CIPRA Schweiz, 079 702 86 52, schuler.kaspar@cipra.org

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