Kulturinitiativen aus dem Alpenraum vernetzen sich in Südtirol
Wie lassen sich neue Formen des Zusammenlebens gestalten und gesellschaftlicher Wandel im Alpenraum konkret voranbringen? Mit der «Rural Commons Assembly» Ende Mai 2026 in Schlanders und der Beteiligung an der diesjährigen «Fort Biennale» in Franzensfeste setzt das Alpine Changemaker Network ein sichtbares Zeichen für Kooperation, Gemeingüter und öko-soziale Transformation.
Von 28. bis 31. Mai 2026 vernetzten sich Kulturarbeitende, pionierhafte Initiativen und Kollektive aus Italien, Österreich und der Schweiz an der Rural Commons Assembly in der BASIS Vinschgau Venosta. Während vier Tagen tauschten sie sich über ihre Arbeit im Spannungsfeld von Kultur, Gemeingütern und gesellschaftlicher Veränderung aus. Im Zentrum des wandernden Formats, welches regelmässig von unterschiedlichen Organisationen im Alpenraum gehostet wird, steht die gemeinsame Weiterentwicklung von konkreten Ansätzen für den ländlichen Raum. Die Assembly in Schlanders war kollaborativ angelegt: In Präsentationen stellten Organisationen ihre Strukturen, Aktivitäten und aktuellen Herausforderungen vor und diskutierten diese anschliessend in moderierten Peer-to-Peer-Coachings. Eine gemeinsame Kartierung machte die Verbindungen zwischen den Initiativen im Alpenraum sichtbar und dient als Grundlage für die zukünftige Zusammenarbeit. Ergänzt wurde das Programm durch Workshops und gemeinschaftliche Formate, die sich mit Fragen kollektiver Organisation ebenso wie mit Zukunftsbildern für Landschaft und Ernährung auseinandersetzten. Eine Exkursion zur Bürgergenossenschaft Obervinschgau verdeutlichte zudem, wie gemeinschaftsbasierte Modelle vor Ort konkret funktionieren. «Die Stärke der Rural Commons Assembly als wiederkehrendes Format liegt in der gemeinschaftlichen Organisation und der Begegnung auf Augenhöhe», meint Mitinitiator Johannes Reisigl. «Abseits der Öffentlichkeit schaffen Teilnehmende hier einen vertrauensvollen Raum, in dem Herausforderungen bearbeitet, gelingende Strategien geteilt und gemeinsame Erfolge gefeiert werden können. Das bringt neben neuen Verbindungen auch gegenseitige Unterstützung, Inspiration und Empowerment für die Transformationsarbeit im ländlichen Alpenraum.»
Vom lokalen Austausch ins Landesmuseum
Die Erfahrungen und Ergebnisse aus diesem intensiven Austausch fliessen unmittelbar in einen internationalen Kontext ein. Ab dem 13. Juni 2026 beteiligt sich das Alpine Changemaker Network an der Fort Biennale in der Festung Franzensfeste. Dessen zweite Ausgabe steht unter dem Titel «Reclaiming Collective» und stellt Fragen nach Zusammenhalt und gemeinschaftlichem Handeln ins Zentrum. Sie versteht sich als Reaktion auf aktuelle globale Herausforderungen wie Klimakrise, gesellschaftliche Spannungen sowie den Verlust sozialer Verbindungen und eröffnet neue Perspektiven auf kollektive Formen des Zusammenlebens. In der historischen Anlage der Festung entsteht ein offener Dialograum für künstlerische Arbeiten, Wissenschaft und gesellschaftliche Fragestellungen. Vier thematische Bereiche machen die unterschiedlichen Zugänge zu den drängenden Fragen der Gegenwart sichtbar. In diesem Kontext knüpft das Alpine Changemaker Network an die Inhalte der Rural Commons Assembly an. Eine Installation der in Schlanders entwickelten Kartierung beteiligter Initiativen dient als Startpunkt für die Auseinandersetzung mit kollektiven Räumen und Netzwerken.
Ein Netzwerk für die Transformation des Alpenraums
Das Alpine Changemaker Network, initiiert von CIPRA International und Jens Badura, verfolgt das Ziel, kulturelle Akteur:innen aus den Alpenländern miteinander zu verbinden und gemeinsame Antworten auf zentrale Herausforderungen wie Klimawandel, Ressourcennutzung und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu entwickeln. Im Fokus steht dabei ein Ansatz, der Kultur als treibende Kraft für Transformation versteht und den Austausch über nationale und disziplinäre Grenzen hinweg stärkt. Mit der Verbindung von lokaler Verankerung und trans-lokaler Vernetzung entstehen so neue Allianzen und Perspektiven für eine zukunftsfähige Alpenregion. «Kunst und Kultur eröffnen Räume, in denen wir neue Formen des Zusammenlebens und -arbeitens erproben können,» sagt die Projektleiterin Marion Ebster-Kreuzer. «Das Alpine Changemaker Network und die Fort Biennale zeigen, dass die kollektive Gestaltung des Zusammenlebens im Alpenraum Tradition hat und sich ständig weiterentwickelt.» Für 2027 ist eine Summer School in Rovereto (IT) in Planung, Assemblies werden jährlich durchgeführt. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird von der Europäischen Union durch das Programm Erasmus+ finanziert.
Weiterführende Informationen: www.cipra.org/de/alpine-changemaker-network
Pressebilder (c) Aslan Kudrnofsky
Rückfragen sind zu richten an:
Marion Ebster, marion.ebster@cipra.org (Projektleitung)
Johannes Reisigl, info@johannesreisigl.com (Rural Commons Assembly)
Michael Gams, michael.gams@cipra.org (Kommunikation)