Die Mobilitätswende einfordern
Fordern gemeinsam mit anderen weiterhin eine Regulierung des Güterverkehrs über den Brennerpass: Uwe Roth, Präsident von CIPRA International, Elisabeth Ladinser, Präsidentin von CIPRA Südtirol, Jakob Dietachmair, Geschäftsführer von CIPRA International. (v.l.n.r) (c) Caroline Begle
Ein Tunnel und eine Klage
Der Durchstich beim Brennerbasistunnel zwischen Italien und Österreich am 18. September 2025 gilt als historischer Moment. Ab den 2030er-Jahren soll ein Grossteil des Güterverkehrs unterirdisch auf Schienen rollen. Doch eine Klage Italiens vor dem Europäischen Gerichtshof droht diese Pläne zu unterlaufen. Italien argumentiert mit dem Recht auf freien Warenverkehr und will, dass Tirol bestehende Einschränkungen für den Lastwagenverkehr aufhebt. Bleibt der Transport auf der Strasse zu günstig, wäre der milliardenschwere Brennerbasistunnel wirkungslos.
Der Schutz der Umwelt und der Bevölkerung haben Vorrang vor freiem Warenverkehr: Das sagen 67 Organisationen, allen voran CIPRA International. Sie unterzeichneten Ende 2025 einen Offenen Brief an EU-Kommissar Apostolos Tzitzikostas und die Verkehrsministerien der Alpenländer. Darin fordern sie die Beibehaltung der Güterverkehrsregelung am Brennerpass als Modell für ein nachhaltiges Mobilitätsmanagement im Alpenraum. Das für 2026 erwartete Urteil hat eine weitreichende Signalwirkung für andere Alpentransitstrecken
Stimmen

«Wenn der Tunnel etwas bringen soll, müssen die Güter auf die Schiene gelenkt und diese günstiger als die Strasse werden. Der Brenner ist auf der Strasse immer noch zu billig. Nur weniger Verkehr ist umweltverträglicher und sicherer für die Menschen!»
Elisabeth Ladinser, Vorsitzende von CIPRA Südtirol

«Die Harmonisierung bahnbetrieblicher Vorschriften in den Alpenländern wäre rascher umsetzbar als grosse Tunnelprojekte. Das würde viele Abläufe im grenzüberschreitenden Bahnbetrieb vereinfachen und damit auch den Bahntransport auf der Schiene günstiger und schneller machen.»
Stephan Tischler, Verkehrsplaner an der Universität Innsbruck und Vorsitzender von CIPRA Österreich

«Die Alpenländer müssen klare Ziele formulieren, den Verkehr dynamisch und fair bemauten und die Schieneninfrastruktur konsequent stärken. Wenn es den Alpenländern nicht gelingt, die Nachfrage zu lenken, werden die Alpen schon bald durch das wachsende Strassenangebot vom Verkehr überrollt.»
Manuel Herrmann, Geschäftsführer von CIPRA Schweiz und Vizepräsident von ProAlps
CIPRA-Position zu Verkehr und Mobilität
Als Gegenpol zur Brennerdiskussion besuchte Uwe Roth, Präsident von CIPRA International, am 20. September 2025 den autofreien Radtag am Südtiroler Mendelpass. Mit tausenden Teilnehmenden setzte die Veranstaltung ein klares Zeichen für umweltfreundlichen Freizeitverkehr. Einen Workshop zum Thema Mobilität im Tourismus moderierte CIPRA-Österreich Vorsitzender Stephan Tischler an der Eusalp-Mobility Konferenz im November 2025 in Innsbruck/A. Dort präsentierte sich auch das erfolgreiche CIPRA-Jugendprojekt Yoalin für nachhaltiges Reisen in den Alpen. Die Alpenregion braucht eine klare Verkehrspolitik: konkrete Ziele, faire und flexible Mautsysteme sowie gut ausgebaute Bahnverbindungen. In einem 2025 veröffentlichten, 40 Seiten umfassenden Positionspapier skizziert die CIPRA nachhaltige Mobilität im Alpenraum. Neben dem Gütertransport geht das Papier auch auf Pendler:innen-, Fern- und Reiseverkehr ein.
Der Brenner zeigt eindrücklich, wie dringend der Alpenraum eine echte Mobilitätswende braucht – und dass diese politisch gestaltbar ist. Mit öffentlichen Stellungnahmen, politischer Arbeit und Projekten zu nachhaltiger Mobilität treibt die CIPRA diese Wende seit Jahren über Ländergrenzen konsequent voran. Gerade in Zeiten juristischer und politischer Auseinandersetzungen macht das Mut: Eine zukunftsfähige Verkehrspolitik für die Alpen ist möglich, wenn sie gemeinsam eingefordert und umgesetzt wird.
Autor: Michael Gams, CIPRA International
Weitere Informationen
Position: Verkehr und Mobilität in den Alpen: www.cipra.org/de/positionen/verkehr-und-mobilitaet-in-den-alpen
Standpunkt: «Letzte Chance für eine Verkehrswende»: www.cipra.org/de/news/standpunkt-letzte-chance-fuer-eine-verkehrswende
Meldung: «Unten durch? Ein Tunneldurchstich, viele Fragezeichen»: www.cipra.org/de/news/unten-durch-ein-tunneldurchstich-viele-fragezeichen
Projekt Yoalin: www.cipra.org/de/medienmitteilungen/klimafreundlich-durch-die-alpen-reisen-jetzt-bewerben